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Autor: Kramer, A. / Rudolph, P. / Kampf, G. / Pittet, D. (2002) Quelle: Lancet 2002; 359: 1489-90

STUDIE

Kramer, A. / Rudolph, P. / Kampf, G. / Pittet, D. (2002)

Begrenzte Wirksamkeit alkoholischer Handgele

Hintergrund: In einigen europäischen Ländern werden alkoholische Gele zur Händedesinfektion eingesetzt. Der Alkoholgehalt dieser Gele ist jedoch vergleichsweise gering. Ziel der Studie war es daher, die bakterizide Wirksamkeit von zehn alkoholischen Handgelen sowie von vier flüssigen alkoholischen Einreibeprodukten, darunter Sterillium, zu ermitteln. Alle Produkte wurden gemäß EN 1500 mit einer Applikationsmenge von 3 ml und einer Einwirkzeit von 30 Sekunden, analog der klinischen Praxis getestet.


Methode: Es wurden vier flüssige Hände-Desinfektionsmittel mit einem Alkoholgehalt von durchschnittlich 75 % und zehn zumeist ethanolische Gele untersucht. Nach gründlichem Händewaschen mit normaler Seife wurden die Hände für fünf Sekunden in eine Suspension mit E.coli gehalten und danach für drei Minuten an der Luft getrocknet. Zur Bestimmung der Vorwerte wurden alle Fingerkuppen beprobt. Anschließend wurden 3 ml eines Gels bzw. Flüssigprodukts über 30 Sekunden aufgetragen oder die Hände 2 x 30 Sekunden mit 2 x 3 ml des Referenzalkohols behandelt (Cross-over-Design). Nach der Behandlung der Hände erfolgte eine zweite Beprobung der Fingerkuppen. Zur Ermittlung der Vor- und Nachwerte wurden die Fingerkuppen über eine Minute in einer Nährbouillon mit validierten Neutralisationsmitteln gerieben. Anschließend wurden die Proben seriell verdünnt und auf Trypticase-Soja-Agar ausplattiert. Nach der Inkubation der Agarplatten wurde die Gesamtzahl der Kolonien pro Testperson und Messpunkt ermittelt. Alle Werte wurden als log10-Reduktion dargestellt. Die Wirksamkeit der Gele bzw. der flüssigen Hände-Desinfektionsmittel wurde mit der des Referenzalkohols verglichen.


Ergebnis: Alle zehn Gele waren signifikant weniger wirksam als das Referenzverfahren. Der Unterschied betrug 0,7 bis 2,0 log10-Stufen. Die geprüften Gele konnten somit die europäischen Wirksamkeitsanforderungen an eine hygienische Händedesinfektion nicht erfüllen. Sterillium und die drei weiteren Einreibepräparate waren nicht signifikant weniger wirksam als das Verfahren mit dem Referenzalkohol. Sie erfüllten damit die Wirksamkeitsanforderungen.


Fazit: Die meisten alkoholischen Handgele haben nur einen relativ geringen Alkoholgehalt (≤ 70 %). Sie erfüllen die europäischen Wirksamkeitsanforderungen gemäß EN 1500 nicht, wenn sie unter praxisnahen Bedingungen getestet werden. Diese Produkte sollten daher in Krankenhäusern nicht zum Einsatz kommen. Alkoholische Einreibepräparate wie Sterillium verfügen dagegen über eine weitaus bessere Wirksamkeit und reduzieren so das Risiko einer Übertragung von nosokomialen Infektionen.


Quelle:
Lancet 2002; 359: 1489-90


Die Originalarbeit können Sie hier gegen Gebühr herunterladen.