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Autor: Kampf, G. / Ostermeyer, C. / Heeg, P. / Paulson, D. (2006) Quelle: Applied and Environmental Microbiology 2006; 76, 6: 3856-3861

STUDIE

Kampf, G. / Ostermeyer, C. / Heeg, P. / Paulson, D. (2006)

Bewertung zweier Methoden zur Bestimmung der Wirksamkeit von zwei alkoholischen Einreibeprodukten zur chirurgischen Händedesinfektion

Hintergrund: Die chirurgische Händedesinfektion ist ein Standardvorgehen, das weltweit zum Einsatz kommt, um postoperative Wundinfektionen zu vermeiden. Verschiedene Studien zeigen, dass OP-Handschuhe als Erregerbarriere keine absolute Sicherheit bieten – ca. 18,6 % der OP-Handschuhe perforieren wahrend chirurgischer Eingriffe. Es ist daher notwendig, die mikrobielle Flora der Hände dauerhaft und wirksam zu reduzieren, um die Übertragung von Mikroorganismen in die chirurgische Wunde auch bei Handschuhperforationen zu verhindern. In der vorliegenden Studie wurden Sterillium und Sterillium Rub (Produkt zur chirurgischen Händedesinfektion ausschließlich in den USA erhältlich) im Referenzverfahren gemäß der europäischen Norm (EN 12791) und nach der US-amerikanischen Methode gemäß des Tentative Final Monograph for Healthcare Antiseptic Products (TFM) hinsichtlich ihrer Wirksamkeit untersucht.


Methode: Am Referenzverfahren gemäß EU-Norm nahmen 20 Probanden teil. Beide Hände-Desinfektionsmittel wurden hierbei in einzelnen Experimenten jeweils im Vergleich zur Referenzlösung (n-Propanol 60 %, v/v) im Überkreuzdesign getestet. Zur Ermittlung der Baseline (Vorwerte) wurden die Finger für 1 Minute in Trypticase-Soja-Bouillon gerieben. Anschließend wurden die Hände mit dem Desinfektionsmittel bzw. der Referenzlösung eingerieben. Nach 1,5- (Sterillium), 2- (Sterillium Rub) bzw. 3-minütiger Anwendung (Referenz) wurde an einer Hand die Sofortwirkung bestimmt, der anderen Hand wurde für 3 Stunden ein Handschuh übergezogen. Nachdem dieser entfernt war, wurden die zweiten Nachwerte ermittelt (3-Stunden-Wert). Der US-Methode folgend, wurde die Wirksamkeit beider Hände-Desinfektionsmittel in einer zweiten Studienphase im Vergleich zu einem bewährten Referenzprodukt an 36 Probanden getestet. Die diesmaligen Vorwerte wurden an drei Tagen innerhalb einer Woche ermittelt, indem Flüssigkeit aus einem zuvor übergezogenen OP-Handschuh entnommen wurde (Handschuhsaft-Methode). Beide Hände-Desinfektionsmittel wurden dann aufgetragen und mit dem Referenzprodukt verglichen. Nach der 1,5- (Sterillium), 2- (Sterillium Rub) bzw. 3-minütigen Anwendung (Referenz) wurden Sofortwirkung und Nachwerte bestimmt. Für letztere wurde nach 3 bzw. 6 Stunden dem übergezogenen Handschuh Probenflüssigkeit entnommen (Handschuhsaft-Methode).


Ergebnisse: Innerhalb der TFM-Studienphase lag die durchschnittliche, unmittelbare log10-Reduktion von Sterillium bei der Einreibezeit von 1,5 Minuten bei 2,82 (1. Tag), 3,29 (2. Tag) und 3,25 (5. Tag). Auch 3 und 6 Stunden nach dem Einreiben mit Sterillium lag die Bakteriendichte mindestens 1,57 log10 unterhalb der Vorwerte. Die Untersuchung gemäß der EU-Norm zeigte vergleichbare Ergebnisse. Die Bakterienanzahl blieb 2,35 log10 (unmittelbar) und 2,17 log10 (3-Stunden-Wert) unter den Baseline-Werten. Sterillium Rub erfüllte bei einer Einreibezeit von 2 Minuten ebenfalls die von beiden Normen geforderte Wirksamkeit und reduzierte die Bakteriendichte auf beiden Händen unmittelbar um 2,99 log10 (1. Tag), 3,0 log10 (2. Tag) und 3,43 log10 (5. Tag), wenn nach der US-Methode gemessen wurde. Die Untersuchung gemäß der EN 12791 ergab mittlere Bakterienreduktionen von 2,97 log10 (unmittelbar) und 2,20 log10 (3-Stunden-Wert).


Fazit: Die Studie zeigt, dass Sterillium und Sterillium Rub die Wirksamkeitsanforderungen an Hände-Desinfektionsmittel zweier völlig unterschiedlicher Testmethoden erfüllen. Dies gilt sogar bei kürzeren Einwirkzeiten von 1,5 Minuten mit Sterillium bzw. 2 Minuten mit Sterillium Rub.


Quelle:
Applied and Environmental Microbiology 2006; 76, 6: 3856-3861


Hier können Sie die Originalstudie einsehen.



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