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Autor: Emanuelsson, L. / Karlsson, L. / Castrèn, M. / Lindström, V. (2012) Quelle: Emanuelsson, L. et al. Ambulance personnel adherence to hygiene routines: still protecting ourselves but not the patient.European Journal of Emergeny Medicine, 2013, Vol 20 No 4.

STUDIE

Emanuelsson, L. / Karlsson, L. / Castrèn, M. / Lindström, V. (2012)

Compliance bei Hygiene-Maßnahmen im Rettungsdienst

Hintergrund: Viele Notfallpatienten werden vor ihrer Ankunft in der Notaufnahme von Rettungssanitätern behandelt. Auch bei der medizinischen Notfall-Versorgung ist eine gute Hygiene-Compliance ausschlaggebend für die Patientensicherheit und Versorgungsqualität. Emanuelsson et al. untersuchten daher die Hygiene-Compliance von Rettungskräften während ihrer Einsätze.


Methode: Emanuelsson et al. führten eine Beobachtungsstudie in Värmland, Schweden durch. Während eines Tages im November 2010 beobachteten zufällig ausgewählte Rettungsdienstmitarbeiter ihre Kollegen bei der Arbeit und überprüften die Compliance bei sieben verschiedenen Hygiene-Maßnahmen. Folgende Hygiene-Maßnahmen wurden beobachtet:

 

  1. Händedesinfektion vor Patientenkontakt (alkoholisches Händedesinfektionsmittel)
  2. Händedesinfektion nach Patientenkontakt (alkoholisches Händedesinfektionsmittel)
  3. Korrekte Anwendung von Schutzhandschuhen (bei Risiko des Kontakts mit Blut oder infektiösen Flüssigkeiten) sowie Wechseln der Handschuhe zwischen Behandlungsmaßnahmen am Patienten
  4. Korrekte Anwendung des Kittels (bei Risiko des Kontakts mit Blut oder infektiösen Flüssigkeiten)
  5. Korrekte Anwendung von kurzärmeliger Arbeitskleidung
  6. Verzicht auf Ringe, Armbanduhren und Armschmuck während der Patientenversorgung
  7. Kurzes oder zurückgebundenes Haar

Mit einer Checkliste wurde außerdem geprüft, ob den Mitarbeitern alkoholisches Händedesinfektionsmittel, Schutzhandschuhe, Kittel und Augenschutz im Rettungswagen sowie im Notfallrucksack zur Verfügung standen.


Ergebnisse: Insgesamt nahmen 168 Mitarbeiter an der Studie teil – darunter 123 Krankenschwestern bzw. -pfleger und 45 Rettungssanitäter. 71 Observationen in 21 Rettungswagen wurden durchgeführt, davon konnten 68 Observationen ausgewertet werden.
Die Studie zeigte, dass lediglich zwei der beobachteten Mitarbeiter (3 %)alle sieben beobachteten Hygiene-Maßnahmen korrekt einhielten. Die Compliance bei der Händedesinfektion betrug 34 % vor sowie 72 % nach Patientenkontakt. Handschuhe wurden in 69 % der Situationen korrekt angelegt. In 91 % der Beobachtungen wurden Kittel korrekt verwendet. Die Compliance beim Tragen von kurzärmeliger Arbeitskleidung lag dagegen bei nur 28 %. Die Mitarbeiter trugen zu 74 % keine Ringe, Armbanduhren oder Armbänder. Die Haare wurden in 91 % der Beobachtungen entweder kurz oder zurückgebunden getragen.
Die Fragebögen zeigten, dass Händedesinfektionsmittel, Schutzhandschuhe und Kittel in allen Rettungswagen verfügbar waren. Ein Augenschutz war in ca. 90 % vorhanden. Händedesinfektionsmittel waren in knapp jedem fünften Notfallrucksack enthalten, Schutzhandschuhe in jedem zweiten.


Fazit: Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Hygiene-Compliance im Rettungsdienst je nach Hygienemaßnahme sehr unterschiedlich ist: Alle sieben beobachteten Hygienemaßnahmen wurden in lediglich 3 % der Beobachtungen eingehalten. Die Resultate der Checkliste zeigten, dass der Zugang zu den entsprechenden Hilfsmitteln außerhalb des Rettungswagens gering war, was einen negativen Einfluss auf die Compliance haben könnte. Hier empfehlen Emanuelsson et al. die Ausstattung mit Kittelflaschen, um das Händedesinfektionsmittel immer griffbereit zu haben. Die relativ hohe Compliance beim Ablegen von Ringen, Armbanduhren und Armbändern erklären die Forscher mit regelmäßigen Kontrollen durch eine Hygiene-Beauftragte Krankenschwester. Emanuelsson et al. vermuten daher, dass solche Kontrollen sich auch auf andere Bereiche der Hygiene positiv auswirken könnte.


Quelle:
Emanuelsson, L. et al.Ambulance personnel adherence to hygiene routines: still protecting ourselves but not the patient.European Journal of Emergeny Medicine, 2013, Vol 20 No 4.


Die Originalarbeit können Sie hier kostenlos einsehen.