Wir forschen für den Infektionsschutz
  • germs
  • Adenovirus
  • Aspergillus niger
  • Bovine virus diarrhea
  • Clostridium difficile
  • Candida albicans
  • Candida albicans
  • Coronavirus
  • Corynebacterium
  • Escherichia coli
  • Helicobacter pylori

Autor: Srigley, J. A. / Furness, C. D. / Baker, G. R. / Gardam, M. (2014) Quelle: Srigley J. A. et al. BMJ Qual Saf 2014;23: 974-980.

STUDIE

Srigley, J. A. / Furness, C. D. / Baker, G. R. / Gardam, M. (2014)

Der Einfluss des Hawthorne-Effekts auf das Händehygiene-Verhalten von Mitarbeitern während Compliance-Beobachtungen

Hintergrund: In Studien oder Audits wird die Händehygiene-Compliance oftmals durch direkte Beobachtung erhoben. Die Ergebnisse können allerdings durch verschiedene Faktoren verzerrt werden: dem Beobachter selbst, der Auswahl der Probanden sowie Verhaltensänderungen aufgrund des Wissen, beobachtet zu werden (Hawthorne-Effekt). Derzeit wird angenommen, dass der Hawthorne-Effekt die Händehygiene-Compliance von Mitarbeitern im Gesundheitswesen vorübergehend erhöht. Mithilfe eines elektronischen Monitoringsystems (EMS) wurde in der vorliegenden Studie daher untersucht, ob die Anwesenheit eines Beobachters die Häufigkeit von Händehygiene-Maßnahmen steigert.


Methode: Die retrospektive Kohorten-Studie wurde auf zwei Organtransplantationsstationen eines Lehrkrankenhauses der Maximalversorgung über die Dauer von 8 Monaten durchgeführt. Auf beiden Stationen wurde ein EMS eingerichtet. Dieses bestand aus tragbaren Sendern, die von 60 Mitarbeitern mitgeführt wurden. Ein System drahtloser Empfänger in den Patientenzimmern, auf den Fluren sowie über allen Seifen- und Händedesinfektionsmittel-Spendern zeichnete die Bewegungen, den Standort sowie die Entfernung der einzelnen Sender zueinander auf. Zudem erfasste das System, wann wie häufig jeder einzelne Dosierspender betätigt wurde.

In den letzten 3,5 Monaten der Studie wurde die Händehygiene-Compliance auf beiden Stationen (ausgenommen der Patientenzimmer) auch durch direkte Beobachtung erfasst. Die Beobachter trugen ebenfalls Sender, um den Ort und die Zeit ihrer Beobachtung zu dokumentieren.

In der Datenanalyse wurde die Benutzungshäufigkeit der Spender pro Stunde im Blickfeld des Beobachters (exponiert) mit jenen verglichen, die sich nicht in dessen Sichtweite auf den Fluren befanden (nicht-exponiert). Der Vergleich erfolgte mit 3 nicht-exponierten Vergleichsgruppen, die sich in Ort und Zeit der Datenerhebung unterschieden


Ergebnisse: Der Median der Häufigkeit, mit der die exponierten Dosierspender auf den Fluren pro Stunde betätigt wurden, lag bei 3,75. Die nicht-exponierten Spender auf den Stationsfluren erzielten Werte von 1,48 (Gruppe 1), 1,07 (Gruppe 2) und 1,50 (Gruppe 3). Damit wurden die exponierten Spender signifikant öfter betätigt als die der drei Vergleichsgruppen. In Patientenzimmern (keine direkte Beobachtung des Händehygieneverhaltens) trat dieser Effekt nicht auf.


Fazit: Die Studie zeigt, dass nach Ankunft eines Beobachters sich die Häufigkeit der Händehygiene-Maßnahmen erhöht. Die Autoren schließen deshalb auf einen großen Einfluss des Hawthorne-Effekts auf das Händehygieneverhalten von Mitarbeitern während Beobachtungen. Die Genauigkeit direkt beobachteter Compliance-Raten könne daher in Frage gestellt werden. EMS gelten zwar als Alternativ-Messverfahren, jedoch erwähnen die Autoren auch, dass es Bedenken bezüglich ihrer Genauigkeit gibt. Ferner wird angemerkt, dass die direkte Beobachtung einige bedeutende Vorteile gegenüber EMS habe. So ist sie u.a. bisher das einzige Messverfahren, mit dem z. B. auch die Einreibetechnik und Indikationsangemessenheit von Händedesinfektionen erfasste werden könne. Um zu entscheiden, nach welcher Methode Händehygiene-Compliance gemessen werden soll, sollten Gesundheitseinrichtungen neben dem Harthorne-Effekt somit weitere Faktoren berücksichtigen.


Quelle: Srigley J. A. et al. BMJ Qual Saf 2014;23: 974-980.