Wir forschen für den Infektionsschutz
  • germs
  • Adenovirus
  • Aspergillus niger
  • Bovine virus diarrhea
  • Clostridium difficile
  • Candida albicans
  • Candida albicans
  • Coronavirus
  • Corynebacterium
  • Escherichia coli
  • Helicobacter pylori

Autor: Hugo Sax et al Quelle: Ann Surg. 2011 Feb;253(2):365-70. doi: 10.1097/SLA.0b013e318202fda9.

STUDIE

Hugo Sax et al

Die Gesamtrate von nosokomialen Infektionen bei chirurgischen Patienten: Ergebnisse einer nationalen Studie

Einführung
Postoperative Wundinfektionen (SSI) stellen ernste Komplikationen bei chirurgischen Eingriffen dar. Es wurde gezeigt, dass eine SSI-Surveillance inklusive Rückmeldung der resultierenden Infektionsraten an Chirurgen das Bewusstsein für das Problem erhöht und die Inzidenz minimiert. [1-4] Folglich ist die Surveillance von nosokomialen Infektionen (NI), insbesondere SSI, mittlerweile Standard im Qualitätsmanagement und Teil der Patientensicherheit in einer Vielzahl von Krankenhäusern weltweit. [5] Aufgrund der hohen Kosten werden bei einer NI-Surveillance nur die häufigsten Infektionen bei risikogefährdeten Patienten erfasst. [6-8] Bei der SSI-Surveillance wird daher nur ein Teil der gesamten NI-Rate bei chirurgischen Patienten erfasst. Um das tatsächliche Ausmaß des Problems abschätzen zu können, wurde eine Studie zur Bestimmung der Gesamtrate von NI bei einer großen Gruppe von Patienten, die sich vor kurzem einer Operationen unterzogen haben, durchgeführt. Darüber hinaus wurden das Risikoprofil und die NI-Raten der chirurgischen Patienten mit denen aller stationären, nicht chirurgischen Patienten verglichen.

Zusammenfassung
Ziel: Bestimmung der Gesamtrate von NI bei chirurgischen und nicht chirurgischen Patienten.

Hintergrund: Eine gezielte Surveillance von NI in Einrichtungen des Gesundheitswesens ist üblich, wobei die Gesamtrate möglicherweise zu niedrig eingeschätzt wird.

Methoden: Es wurde eine Prävalenzstudie in 50 Akutkrankenhäusern durchgeführt, die am Schweizer Programm zur Surveillance der nosokomialen Infektionen teilnehmen.

Ergebnisse: 3.377 (40,8 %) von 8.273 Patienten waren vor kurzem operiert worden. Insgesamt erwarben 358 (10,6 %) der chirurgischen Patienten eine Krankenhausinfektion, von den nicht chirurgischen Patienten lediglich 206 (4,2 %; P < 0,001). Die Prävalenz von SSI lag bei 5,4 %. Die NI-Prävalenz (ohne SSI) betrug 6,5 % bei chirurgischen Patienten und 4,7 % bei nicht chirurgischen Patienten (P < 0,0001). Im Vergleich zu den nicht chirurgischen Patienten lagen bei den Chirurgie-Patienten weniger intrinsische (im Patienten begründete) Risikofaktoren für Infektionen vor (Alter > 60 Jahre: 55,6 % gegenüber 63,0 %; Score der American Society of Anesthesiologists: > 3, 5,9 % gegenüber 9,3 %; McCabe für rasch tödliche Erkrankungen: 3,9 % gegenüber 6,6 %; Charlson Komorbiditäts-Index: > 2, 12,3 % gegenüber 20,9 %; bei allen P < 0,001), jedoch mehr extrinsische (nicht im Patienten begründete) Faktoren (Harnwegskatheter: 4,7 % gegenüber 1,3 %; Aufenthalt auf Intensivstationen: 18,3 % gegenüber 8,8 %; bei allen P< 0,001). Operationen gingen mit einem erhöhten Risiko für NI einher (Odds Ratio 2,43; 95 % CI 2,0 - 3.0).

Schlussfolgerung: Trotz des geringeren intrinsischen Risikos war die NI-Rate bei chirurgischen Patienten mehr als doppelt so hoch als bei den nicht chirurgischen Patienten. Fast die Hälfte der NI waren SSI. Es könnte sich auszahlen, die Maßnahmen zur Infektionsprävention über SSI hinaus auszuweiten, insbesondere im Hinblick auf die extrinsischen Risikofaktoren.


Quelle:
Ann Surg. 2011 Feb;253(2):365-70. doi: 10.1097/SLA.0b013e318202fda9.


Der englischsprachige Originalbeitrag “Overall Burden of Healthcare-associated Infections among Surgical Patients: Results of a National Study” lässt sich nach kostenfreier Registrierung bei medscape downloaden.