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Autor: White, M. / Jimmieson, N. / Obst, P. / Graves, N. / Barnett, A. / Cockshaw, W. / Gee, P. / Haneman, L. / Page, K. / Campbell, M. / Martin, E. / Paterson, D. (2015) Quelle: White, KM. et al., Using a theory of planned behavior framework to explore hand hygiene beliefs at the ‘5 critical moments’ among Australian hospital-based nurses. BMC Health Services Research, 2015, Vol. 15, No. 59

STUDIE

White, M. / Jimmieson, N. / Obst, P. / Graves, N. / Barnett, A. / Cockshaw, W. / Gee, P. / Haneman, L. / Page, K. / Campbell, M. / Martin, E. / Paterson, D. (2015)

Diskutabel: Wie Überzeugungen die Händehygiene beeinflussen können

Hintergrund: Die Händehygiene ist unumstritten die wichtigste Maßnahme, um nosokomiale Infektionen effektiv zu vermeiden. Um die Compliance in der Händehygiene zu verbessern, ist es essenziell, die dem Händehygieneverhalten zugrunde liegenden kognitiven Faktoren zu entschlüsseln. Informationen von Krankenschwestern und -pflegern, die den intensivsten Kontakt zu Patienten haben, sind hierbei besonders vielversprechend. Vorangegangene Studien konnten bereits zentrale Compliance-Hürden, wie beispielsweise schlechte Produktverfügbarkeit, Notfälle, häufige Unterbrechungen und hohe Arbeitsbelastung, aufdecken. Die vorliegende Studie untersuchte nun die Überzeugungen und Meinungen von Krankenschwestern und -pflegern, auf denen die Entscheidung, eine Händedesinfektion nach den 5 Momenten der WHO durchzuführen, basiert.


Methode:
White et al. analysierten thematisch die Ergebnisse von Gruppendiskussionen mit Krankenschwestern und -pflegern in drei australischen Krankenhäusern. Die Theorie des geplanten Verhaltens bildete dabei einen Rahmen für die Identifikation und Kodierung der Themen. Um ein einheitliches Verständnis der Richtlinien zur Händedesinfektion sicher zu stellen, erhielten alle Teilnehmer ein Merkblatt mit visuellen und schriftlichen Beschreibungen der 5 Momente der Händehygiene. Die von einem Mitarbeiter teilstrukturierte Diskussion untersuchte anschließend folgende Punkte:

 

  • Vorteile und Nachteile der Händedesinfektion („Welche Vor- und Nachteile hat die Händedesinfektion?“)
  • Normative Anerkennung und Missbilligung („Welche Personen (oder Gruppen) würden eine Händedesinfektion gutheißen?“ „Welchen Personen (oder Gruppen) würde eine Händedesinfektion missfallen?“)
  • Barrieren und unterstützende Faktoren („Was hält Sie von der Händehygiene ab oder erschwert sie?“ „Was hilft Ihnen oder motiviert Sie zur Händedesinfektion?“)
  • Bedeutung der einzelnen Indikationen der Händehygiene (“Bewerten Sie alle Indikationen als gleich wichtig, oder sind einige wichtiger als andere?”)

Ergebnisse: Die Forscher werteten fünf Gruppendiskussionen mit insgesamt 27 Teilnehmern aus drei australischen Lehrkrankenhäusern aus. Die teilnehmenden Krankenschwestern und -pfleger arbeiteten auf Intensivstationen, allgemeinmedizinischen oder chirurgischen Stationen.
Als wichtigsten Vorteil der Händedesinfektion identifizierten die Teilnehmer die Sicherheit der Patienten. Selbstschutz und Infektionskontrolle wurden als weitere Vorteile genannt. Als größte Nachteile nannten sie Hautschädigungen und Zeitmangel.

Kollegen seien die wichtigsten Unterstützer bei der Händehygiene, gaben die Diskussionsteilnehmer an. Aber auch Vorgesetzte, Patienten und Hygiene-Fachpersonal wurden als unterstützende Faktoren genannt. Die Teilnehmer identifizierten einige Ärzte als nicht unterstützend.

Die am häufigsten genannten unterstützenden Faktoren der Händehygiene waren die Verfügbarkeit von Waschbecken und Händedesinfektionsmitteln. Auch Schulungen und Trainings stuften die Teilnehmer als relevant ein – insbesondere die 5 Momente-Kampagne der WHO. Als weitere hilfreiche Faktoren nannten die Mitarbeiter Erfahrungen mit Infektions-Ausbrüchen, Audits und die Anwesenheit von Hygiene-Fachpersonal. Visuelle und verbale Erinnerungen wurden außerdem als unterstützend eingestuft. Häufig genannte Barrieren für die Händehygiene waren vor allem Notfälle, Hautirritationen, schlechte Verfügbarkeit, Ablenkung, Stress und ein Mangel an Verständnis und Schulungen. Einige Teilnehmer nannten auch Wasserverschwendung beim Händewaschen als Barriere für die Händehygiene.

Die Frage, ob die Teilnehmer alle 5 Indikationen der WHO als gleich wichtig einstuften ergab gemischte Ergebnisse. Einige Teilnehmer betrachteten jede Indikation als relevant, während andere besonders die Indikationen vor aseptischen Tätigkeiten und nach Kontakt mit potentiell infektiösen Materialien als wichtiger einstuften. Als am Meisten vernachlässigt empfanden manche Teilnehmer besonders die fünfte Indikation (nach Berühren der Patientenumgebung).


Fazit: Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Mitarbeiter die Vorteile der Händehygiene klar erkennen und identifizieren können. Dennoch gibt es zahlreiche Barrieren und Hindernisse, die einer höheren Compliance noch im Wege stehen. Die Wissenschaftler empfehlen daher, zukünftige Bemühungen zur Verbesserung der Compliance auf individuelle Strategien auszurichten. Diese sollten besonderes Augenmerk auf die Priorisierung der Händehygiene in stressigen Situationen, Kollegen-basierte Initiativen und Management-gesteuerte Lösungen legen.


Quelle:
White, KM. et al., Using a theory of planned behavior framework to explore hand hygiene beliefs at the ‘5 critical moments’ among Australian hospital-based nurses. BMC Health Services Research, 2015, Vol. 15, No. 59


Hier können Sie die Originalstudie einsehen.