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Autor: Süß T et al Quelle: Robert Koch-Institut; Epidemiologisches Bulletin Nr. 50; 19. Dezember 2011

STUDIE

Süß T et al

Effektivität, Adhärenz und Tolerabilität nichtpharmakologischer Interventionen zur Prävention von Influenza-Übertragungen in Haushalten

Im Jahre 2006 rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu auf, die Effektivität nichtpharmakologischer Interventionen (NPI), wie zum Beispiel Masken oder Händehygienemaßnahmen, zur Prävention von Influenza-Übertragungen in Haushalten zu untersuchen, da diese sowohl leicht anzuwenden als auch schnell zugänglich sind und somit bereits zu einem frühen Zeitpunkt bei einer Influenza-Pandemie zur Anwendung kommen können. Die seitdem durchgeführten Studien zu diesem Thema konnten jedoch keine einheitlichen Ergebnisse hervorbringen. Um weitere Daten zu erhalten, führte das Robert Koch Institut (RKI) zwischen November 2009 und Januar 2010 sowie Januar 2011 und April 2011 eine Interventionsstudie mit Cluster-Randomisierung in drei Gruppen zur Feststellung der Effektivität, Adhärenz und Tolerabilität von Masken und Händehygienemaßnahmen in Haushalten mit Influenza-Erkrankung durch.

Hierzu wurden Haushalte mit Indexpatienten rekrutiert und in drei Studienarme randomisiert: 1. Masken/Hygiene(MH)-Gruppe, die während der Studienzeit sowohl Hygienemasken als auch Händedesinfektionsmittel benutzte. 2. Masken(M)-Gruppe, die Hygienemasken benutzte. 3. Kontrollgruppe, in der keine NPI durchgeführt wurden. Die Beobachtungsdauer pro Haushalt betrug 8 Tage ab Symptombeginn des jeweiligen Indexpatienten. Während des Beobachtungszeitraums dokumentierten alle Mitglieder der Haushalte auftretende Symptome sowie ihr Anwendungsverhalten der Interventionsmaßnahmen. Darüber hinaus wurden die Haushalte in dieser Zeit 4- bis 5-mal von RKI-Mitarbeitern zur Abnahme von Nasenspülwasserproben besucht. In die Analyse flossen Daten von 84 Indexpatienten und 218 Haushaltskontaktpersonen aus insgesamt 84 Haushalten ein. 96 % der Indexpatienten und etwa ein Fünftel der Haushaltskontaktpersonen waren Kinder unter 14 Jahren.

Ergebnisse
Effektivität der NPI: Die sekundäre Infektionsrate (SIR = Anzahl der Haushaltsmitglieder, die während des Beobachtungszeitraumes eine Influenza-Infektion erwarben) lag in der M-Gruppe bei 9 % und in der MH-Gruppe bei 15 % und damit nicht signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (23 %). Nach frühzeitiger Implementierung der NPI (innerhalb von 36 Stunden nach Symptombeginn) lagen die SIR mit 7 % (M-Gruppe) bzw. 4 % (MH-Gruppe) jedoch deutlich unter der SIR der Kontrollgruppe (23 %).
Adhärenz: Die beobachtete Adhärenz gegenüber den NPI war insgesamt gut. Ab dem 3. Studientag trugen ca. 50 % aller Teilnehmer der M- und MH-Gruppe die Hygienemasken „immer“ oder „meistens“ in übertragungsrelevanten Situationen. 
Die Mehrheit aller Teilnehmer (62 %) der M- und MH-Gruppe gaben keine Probleme beim Tragen der Masken an. 
Die Mehrzahl der Teilnehmer, die Probleme angaben, klagten über „Hitze und Feuchtigkeit“ (53 % der Kinder; 35 % der Erwachsenen). Hinsichtlich der Händehygienemaßnahmen lag die Adhärenz für die Indexpatienten bei 47 % (Saison 2009/10) bzw. 9 % (Saison 2010/11) und für die Haushaltskontakte bei 38 % bzw. 46 %. 
Die Teilnehmer der MH-Gruppe gaben an, sich pro Tag ca. 7- bis 8-mal die Hände desinfiziert zu haben. Lediglich bei den Indexpatienten lag dieser Wert mit ca. 4 Händedesinfektionen pro Tag in der Saison 2010/11 deutlich niedriger. 

Den Autoren zufolge deuten die Ergebnisse der Studie darauf hin, dass NPI zur Prävention von Influenza-Übertragungen in Haushalten effektiv sein können, vorausgesetzt sie werden frühzeitig implementiert und über mehrere Tage angewendet bzw. durchgeführt. Weiterhin empfehlen die Autoren bei zukünftigen Untersuchungen, den Schwerpunkt auf die Bedeutung des Trägers (Indexpatient oder Haushaltskontakt) von Gesichtsmasken sowie auf die unabhängige Bedeutung von Händehygienemaßnahmen zu legen.

Quelle:
Robert Koch-Institut; Epidemiologisches Bulletin Nr. 50; 19.
Dezember 2011

Die Studie wurde im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch Instituts am 19. Dezember 2011 veröffentlicht und steht hier für Sie zum Download bereit

Ein Artikel über die Studie: Facemasks and intensified hand hygiene in a German household trial during the 2009/2010 influenza A(H1N1) pandemic: adherence and tolerability in children and adults von T. Suess et al. steht darüber hinaus in englischer Sprache zur Verfügung und kann hier heruntergeladen werden.