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Autor: Kirkland, K. B. / Homa, K. A. / Lasky, R. A. / Ptak, J. A. / Taylor, E. A. / Splaine, M. E. (2012) Quelle: BMJ Qual Saf 2012; 21: 1019 - 1026

STUDIE

Kirkland, K. B. / Homa, K. A. / Lasky, R. A. / Ptak, J. A. / Taylor, E. A. / Splaine, M. E. (2012)

Einfluss eines krankenhausweiten Händehygiene-Programms zur Verringerung von Krankenhausinfektionen

Hintergrund: Trotz des Wissens, dass gezielte Händehygiene die Raten nosokomialer Infektionen senkt, ist die Händehygiene-Compliance bei Gesundheitspersonal immer noch niedrig. Kirkland et al. entwickelten daher ein krankenhausweites und multimodales Händehygiene-Programm mit dem Ziel, die Händehygiene-Compliance nachhaltig zu erhöhen sowie die Raten nosokomialer Infektionen zu verringern.


Methode: Das Programm wurde im Januar 2006 an einem 383-Betten Krankenhaus eingeführt und bis Ende 2008 schrittweise um zusätzliche Interventionen ergänzt. Insgesamt gab es fünf unterschiedliche Maßnahmenbereiche:

  • Einbindung der Leitungsebenen und Betonung der Verantwortung
  • Audits und Feedback
  • Erreichbarkeit von Hände-Desinfektionsmitteln
  • Schulungen und Trainings u.a. mit Erhalt eines Zertifikat
  • Marketing und Kommunikation (Kampagnen)

Die Compliance-Raten wurden monatlich durch verdeckte, direkte Beobachtungen auf allen Stationen des Krankenhauses und getrennt nach Berufsgruppe und Station ermittelt. Diese Beobachtungen wurden bis Dezember 2009, also noch ein Jahr nachdem die letzte Intervention eingeführt worden war, durchgeführt.

Die ebenfalls monatliche erhobene Häufigkeit nosokomialer Infektionen pro Patiententag beinhaltete eigene Kategorien zur Erfassung von Infektionen durch z. B. Staphylococcus aureus. Die S. aureus-Infektionen wurden in zwei Kategorien unterteilt: Infektionen, die auf den Stationen auftraten und solche, die ursächlich Operationen zuzuordnen waren. Laut den Autoren seien letztere durch das Interventionsprogramm wenig beeinflussbar. Außerdem zeichneten Kirkland et al. u.a. die Anzahl der durchgeführten Hygieneaudits, den Desinfektionsmittelverbrauch und die Menge der Kampagnenbeiträge (Poster, Artikel etc.) auf.


Ergebnisse: Die Händehygiene-Compliance stieg von anfänglich 41 % auf 64 % am Ende des Jahres 2006. Im Sommer 2007 erreichte sie 79 % und lag im Frühjahr 2008 bei 87 %. Im ersten Jahr nach Ende der Initiative (2009) steigerte sie sich nochmals auf 91 %.

Die Anzahl nosokomialer Infektionen sank von 538 im Jahr 2006 auf 394 Fälle im Jahr 2009. 2008 waren 374 Patienten von Krankenhausinfektionen betroffen. Im Jahr 2007 konnte ein signifikanter sprunghafter Rückgang der Infektionen verzeichnet werden. Die Rate nosokomialer Infektion verringerte sich hier von 4,8 auf 3,3 pro 1000 Patiententage. Auch die Rate der Infektionen mit S. aureus auf den Stationen sank von 2,5 auf 1,6 Infektionen pro 1000 Patiententage signifikant. S. aureus-Infektionen, die auf Operationen zurückzuführen waren, gingen hingegen nicht zurück.


Fazit: Multimodale Interventionen können Compliance-Raten signifikant und nachhaltig erhöhen sowie nosokomialen Infektionen senken. Die Händehygiene-Compliance mit der Häufigkeit nosokomialer Infektionen in Verbindung bringen sei der Schlüssel zum Erfolg der Initiative gewesen, so Kirkland et al. Allerdings sei zu beachten, dass sich die Anzahl der Krankenhausinfektionen erst eine gewisse Zeit nach der Erhöhung der Compliance verringerte. Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass die Compliance erst einen gewissen Schwellenwert habe erreichen müssen, damit sich Auswirkungen zeigten. Zudem betonen Kirkland et al., dass bei der Planung und Umsetzung von Compliance-Programmen die unterschiedlichen Einflussfaktoren zu berücksichtigen seien. Dazu gehörten die verschiedenen Berufsgruppen ebenso wie z.B. die jeweilige Station mit den damit verbundenen unterschiedlichen Infektionsrisiken, Spenderplatzierung und das medizinische Fachgebiet.


Quelle:
BMJ Qual Saf 2012; 21: 1019 - 1026


Hier können Sie die Originalstudie einsehen.


Weitere Informationen zu Händehygiene-Programmen finden Sie im Bereich CENTER.