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Autor: Girou, E. / Chai, S. / Oppein, F. / Legrand, P. / Ducellier, D. / Cizeau, F. / Brun-Buisson, C. (2004) Quelle: Girou, E. et al. Misuse of gloves: the foundation for poor compliance with hand hygiene and potential for microbial transmission? J Hosp Inf, 2004, Vol. 57

STUDIE

Girou, E. / Chai, S. / Oppein, F. / Legrand, P. / Ducellier, D. / Cizeau, F. / Brun-Buisson, C. (2004)

Einmalhandschuhe – Krux bei der Händedesinfektion?

Hintergrund: Richtig angewandt schützen Einmalhandschuhe Mitarbeiter und Patienten vor pathogenen Erregern. Als wirkungsvolle Barriere zu potenziell infektiösen Flüssigkeiten, Hautpartien und Gegenständen, verhindern Einmalhandschuhe die Kontamination der Hände der Mitarbeiter und die Kreuzkontamination von Patienten. Untersuchungen zeigen jedoch, dass Einmalhandschuhe oftmals falsch und zu häufig verwendet werden. Die vorliegende Studie evaluierte daher, welche Auswirkungen dieses Verhalten in der Praxis haben kann: Die Wissenschaftler untersuchten den Einfluss des Handschuhtragens auf die Händehygiene-Compliance und das Risiko der bakteriellen Übertragung durch die unsachgemäße Verwendung von Einmalhandschuhen.


Methode: Girou et al. führten eine prospektive Beobachtungsstudie durch. Über den Verlauf von vier Wochen wurden die Mitarbeiter von fünf Krankenhausstationen zweimal täglich bei der Verwendung von Einmalhandschuhen beobachtet. Bei den Stationen handelte es sich um drei Intensivstationen, eine dermatologische sowie eine diabetologische Station – jeweils Abteilungen mit einer hohen Prävalenz multiresistenter Bakterien. Bei den Beobachtungen wurden bei jedem Kontakt zwischen Mitarbeitern und Patienten mit multiresistenten Erregern verschiedene Informationen aufgezeichnet. Darunter, ob Handschuhe getragen wurden, ob Kontakt mit Körperflüssigkeiten bestand und ob eine abschließende Händedesinfektion stattfand. Verwendete Handschuhe wurden im Anschluss stichprobenartig auf Kontamination untersucht.


Ergebnisse: Im Rahmen von 101 Observationen wurde das Verhalten von 120 Mitarbeitern beobachtet. Insgesamt fanden 784 Kontakte mit 30 Patienten statt, die mit potenziell pathogenen Bakterien infiziert oder besiedelt waren. Handschuhe wurden in rund 94 % der Kontakte verwendet, obwohl diese nur in 58 % der Fälle indiziert waren. Bei 8 % der Gelegenheiten wurden hingegen trotz Indikation keine Handschuhe angelegt. Die Händehygiene-Compliance nach dem Ablegen von Handschuhen lag bei 51,5 %. Von allen aufgezeichneten Patientenkontakten wurden rund zwei Drittel ohne adäquate Händehygiene durchgeführt, da potenziell kontaminierte Handschuhe nicht abgelegt wurden.

Rund 82 % der Patientenkontakte, die strikt aseptische Tätigkeiten erforderten, fanden mit potenziell kontaminierten Handschuhen statt. Insgesamt könnten demnach bei rund jedem fünften Patientenkontakt pathogene Erreger übertragen worden sein.

22 Handschuhe wurden auf pathogene Bakterien untersucht. Das Ergebnis: 86 % der Proben waren kontaminiert.


Fazit: Mit ihrer Studie demonstrieren Girou et al., dass der unsachgemäße Gebrauch von Handschuhen einen wichtigen Risikofaktor für eine mangelhafte Compliance bei der Händehygiene darstellt. Die durchgehende Verwendung von Handschuhen im Kontakt mit Patienten erhöhe außerdem das Risiko für Kreuzkontaminationen und nosokomiale Infektionen. Die Wissenschaftler schließen, dass eine hohe Compliance bei der Händehygiene nur dann möglich ist, wenn auch der Einsatz von Handschuhen rational und indikationsgerecht erfolgt. Eine wirkungsvolle Maßnahme könnten alkoholische Händedesinfektionsmittel darstellen: Sie könnten den adäquaten Umgang von Mitarbeitern mit Handschuhen fördern, da alkoholische Einreibepräparate einfach anzuwenden und äußerst effektiv seien, schlussfolgern Girou und Kollegen.


Quelle:
Girou, E. et al. Misuse of gloves: the foundation for poor compliance with hand hygiene and potential for microbial transmission? J Hosp Inf, 2004, Vol. 57


Die Originalarbeit können Sie hier kostenpflichtig herunterladen.