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Autor: Sassenrath, C. / Diefenbacher, S. / Siegel, A. / Keller, J. (2015) Quelle: Sassenrath, C. et al., Psychology & Health 2016, Vol. 31, No. 2

STUDIE

Sassenrath, C. / Diefenbacher, S. / Siegel, A. / Keller, J. (2015)

Empathie als Antrieb für die Händehygiene?

Hintergrund: Obgleich die indikationsgerechte Händehygiene effektiv Infektionen verhindern kann, sind die Compliance-Raten noch immer gering. Sassenrath et al. prüften in ihrer Studie den Einfluss der emotionalen Empathie auf die Compliance: Sie untersuchten, ob ein Zusammenhang zwischen Empathie und Händehygiene-Verhalten besteht und ob eine Empathie-basierte Intervention die Händehygiene verbessert.


Methode: Sassenrath et al. führten eine dreiteilige Studie durch.

Teil 1: Im ersten Teil evaluierten sie den Zusammenhang zwischen Empathie als individueller Variable und der persönlich eingeschätzten durchschnittlichen Händehygiene-Frequenz. Hierzu füllten 62 Mitarbeiter eines deutschen Krankenhauses einen zweiteiligen Fragebogen aus: Anhand der Empathieskala nach Mehrabian und Epstein wurde die Empathie der Studienteilnehmer eingeschätzt. Die Day-Reconstruction-Method (DRM) diente anschließend dazu, das persönliche Händehygieneverhalten einzuschätzen.

Teil 2: Im zweiten Studienteil wurde der kausale Zusammenhang zwischen Empathie und dem Händehygieneverhalten bewertet. 150 Studienteilnehmer wurden in eine Kontroll- und eine Empathiegruppe aufgeteilt. Alle Teilnehmer erhielten zunächst einen Text zur Situation eines potenziell an HIV erkrankten Patienten, welcher der Manipulation der Empathie diente. Die Empathiegruppe sollte sich im Folgenden auf die Situation und die Gefühle des Patienten konzentrieren, während die Kontrollgruppe den Fokus auf die sachlichen Informationen des Textes legen sollte. Anschließend wurden die Teilnehmer dazu aufgefordert, einen typischen Arbeitsablauf in der Küche eines Altenheimes durchzuführen. Hierzu sollten die Probanden sechs verschiedene Aufgaben durchführen – darunter Teller waschen und verschiedene Mahlzeiten anrichten. Zusätzlich wurden die Teilnehmer darauf aufmerksam gemacht, dass Händehygiene in diesem Zusammenhang wichtig sei. Desinfektionsmittelspender befanden sich während des gesamten Experiments im direkten Sichtfeld der Probanden. Es wurde bestimmt, wie viele Teilnehmer sich die Hände mindestens einmal desinfizierten.

Teil 3: Im dritten Studienteil wurde der Effekt einer Empathie-basierten Intervention evaluiert. Nach einer Kontrollphase von 7 Wochen folgte eine Interventionsphase von 4 Wochen. Während dieser Interventionsphase wurden auf einer Station (Empathie-Station) elf Empathie-auslösende Bilder von tröstenden Gesten gut sichtbar aufgehängt. Auch das Schwesternzimmer wurde mit den Bildern bestückt. Eine weitere Station (Kontroll-Station) wurde, ebenfalls gut sichtbar, mit neutralen Bildern des Krankenhauses ausgestattet. Die Wirkung der Bilder wurde vorher anhand eines Tests validiert.

Das Händehygieneverhalten der Mitarbeiter wurde anhand der täglichen Desinfektions-Frequenz und des absoluten Desinfektionsmittel-Verbrauchs bestimmt. Die Veränderung des Händehygieneverhaltens während der Interventionsphase auf den Stationen wurde verglichen.


Ergebnisse:

Teil 1: Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass Empathie signifikant das selbst eingeschätzte Hygieneverhalten vorhersagen kann: Je höher die selbst eingeschätzte Empathie der Probanden, desto öfter gaben sie an, sich die Hände in relevanten Situationen zu desinfizieren.

Teil 2: Die Ergebnisse des zweiten Studienteils bestätigen die These, dass Empathie die Häufigkeit Händehygiene fördert. Die Probanden der Empathie-Gruppe desinfizierten sich signifikant häufiger die Hände (60 %) als die Teilnehmer der Kontrollgruppe (43 %).

Teil 3: Der dritte Studienteil zeigte, dass die Empathie-basierte Intervention einen positiven Einfluss auf die Händehygiene hatte: Die Anzahl der Händedesinfektionen stieg auf der Empathie-Station im Vergleich zur Kontroll-Station signifikant an.


Fazit: Sassenrath et al. belegen einen Zusammenhang zwischen Empathie und Händehygieneverhalten. Empathie-basierte Interventionen können zudem die Händehygiene fördern. Zusammenfassend geben die Studienergebnisse neue Impulse für das Design neuer Interventionen, die letztendlich die Sicherheit und Qualität des Gesundheitssystems verbessern sollen, so die Forscher.


Quelle:
Sassenrath, C. et al., Psychology & Health 2016, Vol. 31, No. 2


Die Originalstudie können Sie hier gebührenpflichtig herunterladen.