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Autor: Girard, R. / Amazian, K. / Fabry, J. (2001) Quelle: Journal of Hospital Infection 2001; 47: 131-137

STUDIE

Girard, R. / Amazian, K. / Fabry, J. (2001)

Erhöhung der Compliance und Hautverträglichkeit durch die maßnahmenbegleitete Einführung eines alkoholischen Einreibepräparats zur Händedesinfektion

Hintergrund: Händedesinfektion gilt als die wichtigste Maßnahme, um nosokomiale Infektionen zu vermeiden. Dennoch ist die Compliance der Mitarbeiter häufig mangelhaft. Die Grunde hierfür sind vielfaltig: hohe Arbeitsbelastung, mangelnde Ressourcen oder Probleme mit der Verträglichkeit der Händedesinfektion. Dabei bestehen zudem große Unterschiede in der Hygienepraxis zwischen verschiedenen Berufsgruppen oder klinischen Fachrichtungen. Auch werden in verschiedenen Ländern, wie z. B. in Frankreich, sowohl antiseptische Händewaschungen als auch alkoholische Einreibepräparate empfohlen.


Methoden: Die Studie von Girard et al. ging der Frage nach, ob die Einführung eines alkoholischen Einreibepräparats (Sterillium), begleitet von weiteren Maßnahmen, die Compliance erhöhen kann. Ferner untersuchte die in 2 Phasen unterteilte Studie, wie sich die Anwendung von Sterillium auf den Hautzustand des Krankenhauspersonals auswirkt. Zwischen den zwei Studienabschnitten wurden die Krankenhausstationen mit Dosierspendern für Sterillium ausgestattet, das Personal geschult und spezifische Leitlinien zur Händedesinfektion aufgestellt. An der 20-wöchigen Studie nahmen 4 Stationen eines französischen Krankenhauses teil. Auf keiner dieser Stationen kamen zuvor alkoholische Einreibeprodukte zur Händedesinfektion zum Einsatz. In der ersten Studienphase wurde nicht in die auf den jeweiligen Stationen gängige Händedesinfektionspraxis eingegriffen. Erst in der zweiten Phase stand das alkoholische Einreibepräparat zur Händedesinfektion zur Verfügung. Für beide Studienabschnitte wurden die Compliance-Raten sowie weitere Daten zur Qualität der Händedesinfektionspraxis erhoben. Die gewählte Methode der Händedesinfektion wurde jeweils auf ihre Indikationsangemessenheit, richtige sowie angemessene und zugleich richtige Durchführung hin bewertet. Jedes Mitglied des Pflegepersonals wurde dafür 1,5 Stunden lang bei einer Reihe von aufeinanderfolgenden Tätigkeiten beobachtet. Ergänzend wurde die Hautfeuchtigkeit mit dem Corneometer gemessen und die Trockenheits- und Irritationswerte der Haut ermittelt.


Ergebnisse: Die durchschnittliche Compliance-Rate lag im ersten Studienabschnitt bei 62,2 % und stieg in der zweiten Phase auf 66,5 %. Auf Station 1 stieg die Compliance signifikant von 52,6 % auf 71,4 % (p = 0,03). Auch die Qualität der Händehygiene verbesserte sich. So stieg die Anzahl der implikationsangemessenen Händedesinfektionen von 66,8 % auf 84,3 %, die der korrekt durchgeführten von 11,1 % auf 28,9 % (jeweils p < 10-6) und die Rate der indikationsgerechten und richtig durchgeführten Händehygiene-Maßnahmen von 6,0 % auf 17,8 % (p <10-8). Der Hautzustand verbesserte sich ebenfalls signifikant. Die klinischen Trockenheitswerte sanken von 1,08 auf 0,66 (p <10-2), die Irritationswerte von 0,85 auf 0,24 (p <10-5). Die Einführung von Sterillium führte zu einer Erhöhung der Häufigkeit der durchgeführten Händehygienemaßnahmen und verbesserte deren Qualität. Damit einher ging außerdem ein verbesserter Hautzustand.


Fazit: Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Händedesinfektion mit einem alkoholischen Einreibepräparat, flankiert von Schulungsmaßnahmen, der Anbringung von Dosierspendern sowie Richtlinien zur Händehygiene, geeignet ist, um bestehende Hygieneroutinen sinnvoll zu andern und die Compliance in der Händehygiene zu verbessern. Dies zeigte sich besonders an der Station 1, da hier das gesamte Pflegepersonal an der Informationsschulung teilgenommen hatte.


Quelle:
Journal of Hospital Infection 2001; 47: 131-137


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