Wir forschen für den Infektionsschutz
  • germs
  • Adenovirus
  • Aspergillus niger
  • Bovine virus diarrhea
  • Clostridium difficile
  • Candida albicans
  • Candida albicans
  • Coronavirus
  • Corynebacterium
  • Escherichia coli
  • Helicobacter pylori

Autor: Spackova M et. al Quelle: Infection Control and Hospital Epidemiology; December 2010, Vol. 31 (12): 1273-1278

STUDIE

Spackova M et. al

Große Häufigkeit nosokomial bedingter gastrointestinaler Infektionen im deutschen Surveillance System in den Jahren 2002-2008.

Nur wenige Surveillance-Systeme zu nosokomialen Infektionen schließen auch Erhebungen zu nosokomial erworbenen gastrointestinalen Infektionen ein. Das Team um Michaela Spackova untersuchte den Anteil nosokomialer Gastroenteritiden unter den hospitalisierten Fällen für die Erreger Norovirus, Rotavirus, Salmonella Spezies und Campylobacter Spezies in Deutschland zwischen 2002 und 2008. Die Studie zielte darauf, die Häufigkeit der vier wichtigsten Auslöser nosokomialer Gastroenteritiden festzustellen, sowie Entwicklungen innerhalb des Untersuchungszeitraumes zu erfassen und ggf. Risikogruppen zu identifizieren, um Rückschlüsse für eine bessere Prävention dieser nosokomialen Infektionen zu erhalten.

Als Datenbasis dienten alle labor-bestätigten Meldungen sowie gastrointestinale Infektionen mit epidemiologischem Zusammenhang, die durch Norovirus, Rotavirus, Salmonella und Campylobacter verursacht und an das Robert Koch-Institut weitergeleitet wurden. Als nosokomial wurden analog den CDC*- und RKI**-Definitionen jene Infektionen klassifiziert, die später als 2 Tage nach stationärer Aufnahme (Norovirus, Rotavirus, Salmonella-Infektion), bzw. später als 5 Tage nach stationärer Aufnahme (Campylobacter-Infektion) auftraten.

Ergebnis: Während des Untersuchungszeitraumes 2002 bis 2008 konnten 49 Prozent aller durch Norovirus bedingten, 14 Prozent aller durch Rotavirus bedingten, 3 Prozent aller durch Salmonellen bedingten und 2 Prozent aller von Campylobacter verursachten Infektionen als nosokomial definiert werden. 

Ein höheres Risiko für die Entwicklung nosokomialer gastrointestinaler Infektionen, vor allem durch Noroviren und Rotaviren ausgelöste,  zeigten Patienten > 70 Jahre.  Bei Patienten aus den so genannten alten Bundesländern lag das Risiko für durch Norovirus, Rotavirus und Salmonellen ausgelöste Infektionen höher, nicht aber für Campylobacter bedingte Erkrankungen. Weibliche Patienten zeigten insgesamt ein geringeres Risiko für die Entwicklung nosokomialer gastrointestinaler Infektionen. Die höchste Rate an Rotavirusinfektionen ergab sich mit 39 Prozent bei Patienten < 1 Jahr.

Abgesehen von Noroviren, blieb die Häufigkeit der nosokomialen gastrointestinalen Infektionen in den untersuchten Jahren stabil. In den Jahren 2002 - 2004 sank die Rate nosokomial erworbener Norovirusinfektionen, im Jahr 2007 stieg sie jedoch wieder an. Die Autoren erklären diese Entwicklungen einerseits mit den seit 2002 verbesserten Hygienemaßnahmen. Den plötzlichen Anstieg führen die Wissenschaftler auf einen neuen global verbreiteten Norovirus-Stamm zurück, der in den Wintermonaten  2006-2007, 2007-2008 und 2008-2009 für Epidemien sorgte und die Kapazitäten der Krankenhäuser sprengte.

Fazit: Die hohe Rate an nosokomial erworbenen Gastroenteritiden in Deutschland erfordert den Autoren der Studie zufolge, eine bessere Prävention. In diesem Zusammenhang weisen die Wissenschaftler auf die große Bedeutung der Händedesinfektion für die Unterbrechung der Infektionsketten und auf die verbesserungswürdige Compliance bei der Händehygiene hin.

Quelle:
Infection Control and Hospital Epidemiology; December 2010, Vol. 31 (12): 1273-1278.

Die Originalarbeit ist in englischer Sprache erschienen und kann kostenpflichtig erworben werden.

* Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA, Atlanta.
** Robert Koch-Institut (RKI), Deutschland, Berlin.

Die KISS-Definitionen nosokomialer Infektionen