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Autor: Cure L. / Van Enk R. (2015) Quelle: Cure, L., Van Enk, R.: Effect of hand sanitizer location on hand hygiene compliance. American Journal of Infection Control, 2015, Vol. 43: 917-921

STUDIE

Cure L. / Van Enk R. (2015)

Händedesinfektionsmittel – beeinflusst der Standort die Compliance?

Hintergrund: Die Händehygiene ist eine allgemein akzeptierte Methode, um nosokomiale Infektionen zu vermeiden. Interventionen, die die Steigerung der Compliance zum Ziel haben, nehmen meist verschiedene Faktoren der Händehygiene ins Visier. Ein zentraler Erfolgsfaktor für die Compliance ist die Infrastruktur von Desinfektionsmittelspendern. Cure und Van Enk prüften mit ihrer Studie daher, inwiefern die Compliance in der Händehygiene mit einer benutzerfreundlichen und standardisierten Anbringung von Desinfektionsmittelspendern zusammenhängt.


Methode: In einem amerikanischen Krankenhaus mit 404 Betten und 12 Stationen evaluierten Cure und Van Enk zwischen 2010 und 2012 systematisch, wie die Position von Desinfektionsmittelspendern die Compliance beeinflusst. Hierzu bewerteten sie die Standorte zunächst nach Nutzbarkeit und Standardisierung. Versteckte Beobachter protokollierten anschließend die Compliance-Raten der Mitarbeiter.

Die Nutzbarkeit der Spender wurde anhand folgender Kriterien bewertet:

  • Gut sichtbar beim Betreten des Raumes
  • Leichter und ungehinderter Zugang
  • In Reichweite oder weniger als ein Schritt vom Eingang zum Patientenzimmer entfernt
  • Sichtbar vom Point of Care
  • Gut im Arbeitsablauf erreichbar
  • In Reichweite oder weniger als ein Schritt vom Point of Care entfernt
  • In optimaler Höhe angebracht (85 bis 110 cm über dem Boden).

Auf den verschiedenen Stationen wurden Desinfektionsmittelspender erst nach dem Bau des Krankenhauses nachgerüstet – die Position der Spender unterscheidet sich daher zwischen Räumen und Stationen. Um zu messen, ob eine einheitliche Anbringung die Compliance beeinflusst, ermittelten die Forscher auf jeder Station zudem einen Standardisierungs-Score, der bewertete, wie sehr sich die Spenderposition zwischen den Zimmern einer Station unterschied. Ein Score von 1 bedeutete hierbei, dass die Spenderposition in allen Zimmern der Station identisch war. Bei einem Score von 0,6 hingegen stimmte die Spenderposition nur in 60 % der Zimmer überein.


Ergebnisse:
Im Zeitraum zwischen 2010 und 2012 protokollierten die Beobachter insgesamt 20.707 Händedesinfektionen. Die Compliance-Rate im gesamten Krankenhaus lag bei rund 82 %. Der Standardisierungs-Score schwankte zwischen 0,2 und 1. Die statistische Auswertung ergab: Gut zugängliche Desinfektionsmittelspender wirkten sich signifikant positiv auf die Händehygiene-Compliance aus. Zwei Faktoren ergaben sich hier als besonders ausschlaggebend: Die Anbringung in der Nähe der Tür sowie gute Sichtbarkeit des Desinfektionsmittelspenders. Auch die Standardisierung der Spenderposition korrelierte mit der Compliance – dieser Einfluss war jedoch nicht signifikant.


Fazit: Die Compliance in der Händehygiene kann mit gut sichtbar und zugänglich angebrachten Desinfektionsmittelspendern beeinflusst werden: Cure und Van Enk belegen mit ihrer Studie eine positive Korrelation zwischen Nutzbarkeit der Spender und der Compliance. Insbesondere Faktoren wie gute Sichtbarkeit und Anbringung in der Nähe der Türen erwiesen sich hier als ausschlaggebend.

Um die Händehygiene nachhaltig zu verbessern, sei es daher wichtig, den Standort und Nutzbarkeit von Desinfektionsmittelspendern in multimodale Interventionsprogramme zu integrieren, resümieren die Autoren.


Quelle:
Cure, L., Van Enk, R.: Effect of hand sanitizer location on hand hygiene compliance. American Journal of Infection Control, 2015, Vol. 43: 917-921


Die Originalarbeit können Sie hier kostenpflichtig herunterladen.

Weitere Informationen zu Händehygiene-Programmen finden Sie im Bereich CENTER.



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