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Autor: Barr, N. / Holmes, M. / Roiko, A. / Dunn, P. / Lord, B. Quelle: Barr, N. et al. Self-reported behaviors and perceptions of Australian paramedics in relation to hand hygiene and gloving practices in paramedic-led health care. Am J Infect Control, 2017, 45/7,771-778.

STUDIE

Barr, N. / Holmes, M. / Roiko, A. / Dunn, P. / Lord, B.

Händehygiene im Rettungsdienst: Einschätzung und Realität

Hintergrund: Auch im Rettungswesen spielt die Infektionsprävention eine zentrale Rolle für den Schutz von Patienten und Mitarbeitern. Der hektische und oft unvorhersehbare Alltag im Rettungsdienst birgt jedoch spezifische Herausforderungen, die die Umsetzung von Hygienemaßnahmen negativ beeinflussen können. Insbesondere Mängel bei der Händehygiene gelten als kritisch. Barr et al. untersuchten daher in einer aktuellen Studie mit australischen Rettungskräften, wie es um die Compliance bei der Händedesinfektion und der Verwendung von Schutzhandschuhen bestellt ist.


Methode: Barr et al. führten eine zweiphasige Untersuchung durch. In der ersten, quantitativen, Phase wurden 417 Rettungskräfte anhand eines Online-Fragebogens zur Einschätzung ihres Händehygiene-Verhaltens und der allgemeinen Wahrnehmung des Themas im Rettungsdienst befragt.
In der zweiten Phase der Untersuchung fanden zwei semistrukturierte* Fokusgruppen à 6 Rettungskräfte statt, welche zu einer qualitativen Auswertung herangezogen wurden.
(* Diskussionsrunden mit teilweise vorgegebenen Themen)


Ergebnisse:
Händehygiene: Schulungen zur Händehygiene finden für australische Rettungskräfte trotz bestehender Empfehlungen nicht flächendeckend statt. Je nach Staat und Territorium gaben zwischen 16 und 65,4 % der Befragten an, eine Händehygiene-Schulung im Rahmen ihrer Ausbildung erhalten zu haben. Im Gegensatz dazu fühlten sich rund zwei Drittel (74,8 %) der Umfrageteilnehmer in ihrem eigenen Händehygiene-Verhalten sicher.
Die unterschiedlichen Momente der Händehygiene schätzte ein Großteil der Rettungskräfte als wichtig ein: Beispielsweise bewerteten 90,6 % der Befragten „Vor dem Patientenkontakt“ als bedeutsamen Moment für die Händehygiene. Auch die Momente „Vor dem Einführen einer intravenösen Kanüle“ (96,2 %) und „Nach Abschluss der Behandlung“ (98,8 %) stuften die Teilnehmer als wichtig ein. Die praktische Umsetzung dieser Einschätzung ergab jedoch eigenen Aussagen zufolge deutlich niedrigere Werte: „Vor dem Patientenkontakt“ gaben 32,8 % der Befragten an, sich oft oder immer die Hände zu desinfizieren – „Vor dem Einführen einer intravenösen Kanüle“ 29,5 %. Die höchste angegebene Compliance erreichte der Moment „Nach Abschluss der Behandlung“: Hier gaben 90,4 % der Teilnehmer eine regelmäßige Händedesinfektion an.
Als zentrale Barrieren für die Händehygiene wurden Zeitdruck, mangelnder Zugang zu Händedesinfektionsmitteln und Seife, Hautirritationen und nötige Auftrocknungszeit vor dem Anlegen von Handschuhen genannt.

Handschuhe: Alle Teilnehmer bestätigten, dass sie medizinische Untersuchungshandschuhe während ihrer Einsätze verwendeten und diese bei Beschädigung (89,2 %) oder Kontamination mit Blut bzw. Körperflüssigkeiten (rd. 86 %) zu tauschen. Die Befragten gaben an, dass das Ablegen der Handschuhe nicht als Teil der Händehygiene wahrgenommen wurde: Mehr als die Hälfte (57,8 %) gab an, die Handschuhe erst am Ende einer Behandlung zu wechseln und außer dem Patienten auch die Umgebung, Notizbretter und Funk-Equipment zu berühren. Als zentralen Motivator für die Nutzung von Schutzhandschuhen, gaben die teilnehmenden Mitarbeiter vor allem den Selbstschutz an.


Fazit: Die vorliegende Studie zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung und der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen im australischen Rettungsdienst. Zwar werden die Händedesinfektion und die korrekte Nutzung von Schutzhandschuhen als bedeutsam eingestuft – in der Praxis ist die Compliance jedoch häufig gering. Barr und Kollegen empfehlen, den Fokus auf die Beseitigung der größten Compliance-Hürden zu legen: Händedesinfektionsmittel müssten demnach nicht nur zugänglich, sondern auch hautverträglich sein. Gleichzeitig sollte der Händehygiene in der Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter ein höherer Stellenwert zugemessen werden – um eine nachhaltige Änderung in der Sicherheitskultur im Rettungsdienst zu erzielen, so die Forscher.

Die Originalstudie können Sie hier kostenpflichtig herunterladen.


Quelle:
Barr, N. et al. Self-reported behaviors and perceptions of Australian paramedics in relation to hand hygiene and gloving practices in paramedic-led health care. Am J Infect Control, 2017, 45/7,771-778.