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Autor: Tomas, M. E. / Kundrapu, S. / Thota, P. et al. (2015) Quelle: JAMA Intern Med. doi:10.1001/jamainternmed.2015.4535. Published online October 12, 2015.

STUDIE

Tomas, M. E. / Kundrapu, S. / Thota, P. et al. (2015)

Häufigkeit der Erreger-Kontamination nach Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung

Hintergrund: Die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) reduziert das Risiko, dass Haut und Kleidung von Mitarbeitern im Gesundheitswesen mit Krankheitserregern kontaminiert werden. Dennoch kann es beim Ablegen der PSA zur Keimübertragung auf das Personal kommen. So finden sich Studien zufolge bei 2 % bis 5 % der Mitarbeiter, die zuvor MRSA-Patienten pflegten, nach dem Ausziehen der Handschuhe multiresistente Erreger auf den Händen. Keime können so weiterverbreitet werden. Zugleich steigt aber auch für Ärzte und Pflegekräfte das Infektionsrisiko. Tomas et al. untersuchten, wo und wie häufig Haut und Kleidung des Personals beim Ablegen von Handschuhen und Schutzkitteln verunreinigt werden. Zugleich prüften sie, ob Trainings zum korrekten Ablegen der PSA die Häufigkeit von Kontaminationen verringern.


Methode: Die 12-wöchige Studie fand zwischen Oktober 2014 und März 2015 in vier Krankenhäusern statt. Um eine Kontamination der Handschuhe zu simulieren, verrieben die Probanden nach dem Anziehen der PSA 0,5 ml Fluoreszenzlösung in ihren behandschuhten Händen. Zur Verunreinigung der Schutzanzüge verschmierten die Teilnehmer die Lösung mit ihren behandschuhten Händen auf den Kitteln. Anschließend tauschten sie die kontaminierten Handschuhe gegen neue aus. Während des Ablegens der Schutzbekleidung notierte einer von drei Studienmitarbeitern, ob und welche Fehler die Probanden machten. Es fanden insgesamt 435 Simulationen statt.

Sieben Stationen einer der Einrichtungen erhielten zusätzlich Schulungen mit dem Ziel, die Kontamination von Haut und Bekleidung des Personals zu reduzieren. Diese beinhaltete ein Video, das die richtige Technik beim An- und Ablegen der PSA demonstrierte. In praktischen Trainings und angeleitet von geschultem Personal übten die Probanden danach das An- und Ausziehen von Handschuhen und Kitteln. Im Anschluss an diese Intervention wurden mit den geschulten Mitarbeitern erneute Simulationen durchgeführt.


Ergebnisse: Bei 52,9 % der Simulationen fanden sich nach dem Ablegen der Handschuhe fluoreszierende Spuren an Haut und Kleidung. Am häufigsten betroffen waren hier die Hände. War der Schutzanzug verschmutzt, so verblieb bei 37,8 % der Teilnehmer Testmittel am Körper – häufig am Hals. Während des An- und Ablegens unterliefen den Probanden verschiedene Fehler:

  • Handschuhe bedecken nicht das Handgelenk: 113-mal
  • Schutzanzug über den Kopf ausgezogen: 44-mal
  • Handschuhe vor Kittel angezogen: 33-mal
  • Kontaminierte Außenseite der Handschuhe beim Ausziehen berührt: 31-mal

Bei falscher PSA-Technik wiesen die Forscher in 70,3 % der Fälle Verschmutzungen u.a. an Händen oder Hals nach. Bei richtiger Anwendung von Handschuhen und Kitteln geschah dies in 30 % der Simulationen.

Direkt nach den intensiven Schulungen zur richtigen Ablege-Technik hingegen ging die Kontamination von Haut und Bekleidung auf den sieben teilnehmenden Stationen von 60 % auf 18,9 % zurück. Ein und drei Monate nach der Intervention kontaminierten sich nur noch 12 % Hände oder Hals.


Fazit: Durch die Schulung von Gesundheitspersonal zur richtigen Verwendung von PSA konnten Kontaminationen von Haut und Kleidung signifikant verringert werden. Laut der Autoren seien fluoreszierende Lösungen für das Verständnis der Verbreitung von Krankheitserregern sehr hilfreich. Denn sie machen die ansonsten unsichtbare Gefahr der Erregerkontamination für die Augen wahrnehmbar und ermöglichen ein unmittelbares visuelles Feedback.


Quelle:
JAMA Intern Med. doi:10.1001/jamainternmed.2015.4535. Published online October 12, 2015.


Hier können Sie die Originalstudie gegen Gebühr herunterladen.