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Autor: Decoster et al. Quelle: Journal of Hospital Infection 80 (2012), 310-315

STUDIE

Decoster et al.

Häufigkeit von Todesfällen im Zusammenhang mit nosokomialen Infektionen: eine Sterblichkeitsuntersuchung in 14 Krankenhäusern Nordfrankreichs

Überblick

Die Suche und Analyse von Todesursachen aufgrund von Abläufen im Gesundheitswesen sind Teil der Bemühungen um eine höhere Qualität in der Patientenpflege. Vollständige Daten über nosokomiale Infektionen sind hierbei essentiell, aber nicht so einfach zu beschaffen. Die vorliegende Studie zielt darauf ab, die Zahl der mit nosokomialen Infektionen verbundenen Todesfälle in französischen Krankenhäusern zu bestimmen und die Vorbeugung dieser abzuschätzen.


Methoden

Die vorliegende Studie bezieht sich auf 2355 von 13.537 Todesfällen, die sich zwischen 2007 und 2008 in 14 Krankenhäusern in Nord-Westfrankreich ereigneten und die für die Auswertung geeignet waren. In dieser Studie wurden Patienten berücksichtigt, die sich für mehr als 48 Stunden auf einer Station der Akutmedizin befanden. Die Patientenakten wurden von einem Arzt unter Benutzung des „Maryland Score“ auf nosokomiale Infektionen und Todesursachen hin untersucht. Eine Kommission wurde gebildet, um den Zusammenhang zwischen nosokomialen Infektionen und Todesfällen zu untersuchen, sowie deren Vorbeugung und Fehler im Gesundheitswesen zu bestimmen. Die Kommission setzte sich aus Ärzten, Mikrobiologen, Hygienikern und Krankenschwestern zusammen.


Ergebnisse

Von den ausgewerteten 2355 Todesfällen zeigten 1243 eine bestätigte Infektion (52,8%), von denen wiederum 552 nosokomiale Infektionen waren (23,4%). 61 dieser nosokomialen Infektionen galten als wahrscheinlich oder sicher vermeidbar (11%), vor allem Fälle von Bakteriämie (n=25), bzw. Atemwegsinfektionen (n=12). In 182 Fällen mit nosokomialer Infektion wurde angenommen, dass diese zum Tod beigetragen hat (33%). In 35 Fällen hätte der Tod verhindert werden können (6,3% der Fälle mit nosokomialer Infektion). Insgesamt wurden 152 Fehler im Gesundheitswesen identifiziert. In 54% traten diese im medizinischen Management auf (z.B. ungeeignete Antibiotikabehandlung), 28% wurden in der Krankenpflege gefunden (z.B. fehlende Asepsis) und 17% waren der Pflegeorganisation zuzuschreiben (z.B. fehlende Koordination).


Fazit

Auf ganz Frankreich bezogen muss mit 3500 Todesfällen gerechnet werden, die durch eine nosokomiale Infektion mit verursacht werden, einschließlich 1300 Todesfällen in Patienten mit vermeidbaren nosokomialen Infektionen. Insbesondere die Unkenntnis geeigneter Protokolle zur Antibiotikatherapie hat immer wieder zum Tod beigetragen. Die Umstände nosokomialer Infektionen mit Todesfolge sollten besser untersucht und vorbeugende Maßnahmen gezielt eingeleitet werden, z.B. die Implementierung von infektionsart-spezifischen Präventionsprotokollen.


Quelle:
Journal of Hospital Infection 80 (2012), 310-315


Die Originalarbeit in englischer Sprache kann hier gegen Gebühr heruntergeladen werden.