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Autor: Schwadtke, L. / Graf K / Lutze, B. / Von Lengerke, T. / Chaberny, I. (2014) Quelle: Schwadtke et al., 2014, Deutsche Medizinische Wochenschrift, Vol: 139

STUDIE

Schwadtke, L. / Graf K / Lutze, B. / Von Lengerke, T. / Chaberny, I. (2014)

Interventionen verbessern die Compliance in der Händehygiene signifikant – aber nur kurzfristig

Hintergrund: Um nosokomiale Infektionen effizient zu vermeiden ist die alkoholische Händedesinfektion als eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen etabliert. Durch die Umsetzung der Kampagne „Aktion Saubere Hände“ (ASH) konnte die vielerorts niedrige Händehygiene-Compliance standardisiert erfasst und zumindest kurzfristig verbessert werden. Unklar ist bislang die Nachhaltigkeit des Effekts. Schwadtke et al. untersuchten daher, welchen Einfluss die Kampagne „Aktion Saubere Hände“ (ASH) langfristig auf die Compliance des ärztlichen und pflegerischen Personals der Intensivstationen (ITS) und Knochenmarkstransplantationsstation (KTS) der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hatte.


Methode:
Schwadtke et al. führten Verhaltensbeobachtungen gemäß der WHO durch. Die Compliance von Ärzten und Mitarbeitern der Pflege von zehn ITS und zwei KTS wurde im Rahmen der „Aktion Saubere Hände“ über sechs Jahre anhand jährlicher Querschnittsbeobachtungen aufgezeichnet. Die Dokumentation erfolgte stationsweise anhand standardisierter Erfassungsbögen. Es wurde zwischen den Berufsgruppen der Mitarbeiter differenziert.


Ergebnisse: Von 2008 bis 2013 beobachteten 9 geschulte Mitarbeiter insgesamt 13.175 Gelegenheiten zur Händedesinfektion auf den zehn ITS und zwei KTS der MHH. Eine Gelegenheit entsprach dabei einer der fünf Indikationen für Händedesinfektion der WHO. Die erfassten Gelegenheiten zur Händedesinfektion entfielen auf insgesamt 293 Mitarbeiter: 67 Ärzte und 226 Pflegemitarbeiter. Rund 18 % (2.409 Gelegenheiten) entfielen auf Ärzte.

Zu Beginn der ASH-Kampagne zeigten Ärzte eine Compliance von 53 %. Diese stieg bis 2011 um 11 % auf insgesamt 64 % an. In den darauf folgenden zwei Jahren, bis 2013, war zu beobachten, wie die Compliance unter den Ausgangswert, auf 48,4 % absank.

Die Mitarbeiter der Pflege starteten mit einer Compliance von 57 % und steigerten diese im Rahmen der ASH-Kampagne bis 2009/10 auf 71 %. Bis 2013 entwickelte sich diese Verbesserung wieder zurück und sank 2013 unter den Ausgangswert, auf 55,8 % herab.


Fazit: Der Verlauf der Compliance-Raten in beiden Berufsgruppen zeigt, dass die Compliance nicht nachhaltig durch die ASH-Kampagne gesteigert werden konnte. Nach einer zunächst deutlichen Steigerung sank die Compliance im Verlauf der Studie drastisch, auf Werte unterhalb des Ausgangniveaus herab. Diese fehlende Nachhaltigkeit zeigt, dass die Förderung hygienischer Händedesinfektion eine laufende Herausforderung darstellt und nicht nur als einmalige Kampagne, sondern als ständige Aufgabe definiert werden sollte.

Aus den unterschiedlichen Compliance-Raten von Ärzten und Pflegepersonal schließen die Forscher, dass zukünftige Interventionen berufsgruppen- und stationsspezifisch auf die Mitarbeiter eingehen sollten.


Quelle:
Schwadtke et al., 2014, Deutsche Medizinische Wochenschrift, Vol: 139


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