Wir forschen für den Infektionsschutz
  • germs
  • Adenovirus
  • Aspergillus niger
  • Bovine virus diarrhea
  • Clostridium difficile
  • Candida albicans
  • Candida albicans
  • Coronavirus
  • Corynebacterium
  • Escherichia coli
  • Helicobacter pylori

Autor: Kampf G et al. (2014) Quelle: BMC Infectious Diseases 2014, 14:37

STUDIE

Kampf G et al. (2014)

Mangelhaft aufbereitete Tuchspendersysteme können eine Infektionsquelle darstellen

Hintergrund: Tuchspendersysteme gelten mit ihren vorgetränkten Tüchern als zeitsparende Methode für die gezielte Flächendesinfektion. Allerdings kann es bei Präparaten auf Basis oberflächenaktiver Wirkstoffe zu einer Verkeimung der Anwendungslösung kommen. Infektionen und nosokomiale Ausbrüche können die Folgen sein. Die Studie analysierte, wie häufig Anwendungslösungen in Tuchspendersystemen zur Flächendesinfektion kontaminiert sind. Zudem wurde untersucht, wie sich die Zusammensetzung von Flächen-Desinfektionsmitteln auf die Fähigkeit zur Vermehrung von Isolaten auswirkt.


Methoden: Im Rahmen der Studie wurden 66 Tuchspender zur Flächendesinfektion zufallsbasiert in 15 Gesundheitseinrichtungen gesammelt. Die Untersuchung der Anwendungslösungen auf bakterielle Kontamination erfolgte quantitativ. Dabei lag der Fokus auf Präparaten mit oberflächenaktiven Wirkstoffen wie z. B. quartären Ammoniumverbindungen (QAV), Aminen, Glucoprotaminen oder Amphotensiden.


Ergebnisse: 28 Tuchspender aus neun Einrichtungen waren mit rund 107 Zellen pro mL verschiedener Erreger kontaminiert. Am häufigsten traten Achromobacter species 3 (9 Einrichtungen), Achromobacter xylosoxidans oder Serratia marcescens (jeweils 1 Einrichtung) auf. In keiner der Gesundheitseinrichtungen waren die Tuchspender korrekt bzw. gemäß den Herstellerangaben aufbereitet worden. Die kontaminierten Anwendungslösungen basierten ausnahmslos auf oberflächenaktiven Wirkstoffen ohne zusätzliches Aldehyd. Bei Präparaten mit aldehydischen oder alkoholischen Zusätzen wurde hingegen keine relevante Kontamination beobachtet. Die Isolate erlangten ihre Empfindlichkeit gegenüber den Flächendesinfektionsmitteln nach fünfmaliger Passagierung ohne Selektionsdruck wieder. Jedoch waren die Isolate in der Lage, sich in verschiedenen Flächendesinfektionsmitteln auf Basis oberflächenaktiver Wirkstoffe bei Raumtemperatur binnen 7 Tagen zu vermehren, unabhängig von Hersteller oder Rezeptur.

Fazit: In der Studie wurde eine häufige und starke Kontamination von Anwendungslösungen, die auf oberflächenaktiven Wirkstoffen bestehen, in Tuchspendern zur Flächendesinfektion nachgewiesen. Die Autoren führen diesen Befund auf die unzureichende Tuchspenderaufbereitung zurück und raten dringend, der Aufbereitung von Tuchspendern in der klinischen Praxis einen höheren Stellenwert beizumessen.


Quelle:
BMC Infectious Diseases 2014, 14:37


Die Originalarbeit können Sie hier kostenfrei herunterladen.

Aufbereitungsempfehlungen für Tuchspendersysteme finden Sie hier.


Lesen Sie mehr zum Thema "Mangelhaft aufbereitete wiederverwendbare Tuchspendersysteme zur Flächendesinfektion können eine Infektionsquelle darstellen"