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Autor: Mestre, G. / Berbel, C. / Tortajada, P. / Alarcia, M. / Coca, R. / Gallemi, G. / Garcia, I. / Fernández, M. M. / Aguilar, M. C. / Martínez, J. A. / Rodríguez-Banõ, J. (2012) Quelle: PLOS ONE 2012; 7: 10 | e47200.

STUDIE

Mestre, G. / Berbel, C. / Tortajada, P. / Alarcia, M. / Coca, R. / Gallemi, G. / Garcia, I. / Fernández, M. M. / Aguilar, M. C. / Martínez, J. A. / Rodríguez-Banõ, J. (2012)

Mehrteilige Intervention zur Compliance-Steigerung basierend auf WHO-Empfehlungen und ständiger Qualitätsverbesserung

Hintergrund: Soll Gesundheitspersonal dazu motiviert werden, sich häufiger die Hände zu desinfizieren, so gelten mehrteilige krankenhausweite Interventionen als besonders erfolgversprechend. Mestre et al. entwickelten eine solche mit dem Ziel, das Desinfektionsverhalten der Mitarbeiter dauerhaft zu verändern und so die Häufigkeit von Krankenhausinfektionen zu verringern.


Methode: Im Rahmen einer Studie untersuchten Mestre et al., wie groß die direkte Wirkung ihrer Intervention auf die Compliance war und ob das Programm auch nachhaltig wirkte. Sie führten die Studie auf sämtlichen Stationen eines 200-Betten-Lehrkrankenhauses durch. In drei je einwöchigen Audits zwischen Oktober 2007 und Dezember 2009 ermittelten sie die Compliance-Rate vor Beginn der Intervention. Die Intervention selbst verlief in zwei Stufen von je einem Jahr Dauer (Stufe 1: 2010; Stufe 2: 2011).

Stufe 1 basierte auf den WHO-Empfehlungen zur Verbesserung der Händehygiene. Daher wurden Desinfektionsmittel-Spender an allen Betten in Hochrisikobereichen angebracht. Ferner nahm das Personal an Schulungen zur Händehygiene teil und Poster wiesen auf die Händedesinfektion hin. Ein geschultes Team aus acht Pflegekräften beobachtete über drei Wochen im Juni und zwei Wochen im Oktober 2010 jeweils 30 Minuten lang die Mitarbeiter. Nach Abschluss dieser Audits erhielten die einzelnen Stationen gebündelte Feedbacks zur Compliance.

In Stufe 2 wurden die bisherigen Maßnahmen in kleineren Schritten ständig verbessert und ergänzt. Das beinhaltete u.a. das Anbringen weiterer Desinfektionsmittel-Spender. Zudem erhöhte sich die Häufigkeit, mit der die Hygiene-Audits stattfanden (drei Tage alle drei Wochen) und die Stationen Feedback erhielten. Das Beobachtungs-Team wies die Mitarbeiter zusätzlich auf die richtige Einreibetechnik hin und räumte Zweifel bezüglich der Händedesinfektion aus.

Der Erfolg der Intervention bemaß sich daran, wie oft sich das Gesundheitspersonal die Hände desinfizierte, wie hoch der Verbrauch an Desinfektionsmittel (Liter pro 1000 Patiententage) war und, wie viele Patienten sich pro 10.000 Patiententage neu mit MRSA infiziert hatten bzw. kolonisiert waren.


Ergebnisse: Krankenhausweit stieg die Compliance zwischen März 2007 und Ende 2011 um ca. ein Viertel von 57 auf 84 Prozent. Standen 2010 0,57 Spender mit Hände-Desinfektionsmittel pro Patientenbett zur Verfügung, waren es 2011 mit 1,56 pro Bett annähernd dreimal so viele. Gleichzeitig erhöhte sich der Verbrauch an Hände-Desinfektionsmittel zwischen Juli 2008 und Dezember 2011 um 172 Prozent von ca. 13 Liter pro 1000 Patiententage auf über 23 Liter. Während der Intervention sank die Zahl der mit MRSA infizierten oder kolonisierten Patienten leicht, aber signifikant.


Fazit: Durch eine ständige Qualitätsverbesserung lässt sich die Händehygiene-Compliance verbessern und die Anzahl an nosokomialen Infektionen reduzieren, halten Mestre et al. fest. Laut den Autoren erfüllten die in Stufe 2 häufig durchgeführten Hygiene-Audits zwei Zwecke: Sie maßen die Compliance und erinnerten das Gesundheitspersonal zugleich regelmäßig daran, sich die Hände zu desinfizieren. Anhand des Desinfektionsmittel-Verbrauchs lasse sich zudem aufklären, welche Ereignisse das Händehygieneverhalten des Gesundheitspersonals beeinflussen. So steigerte sich der Desinfektionsmittelverbrauch z.B. während eines Ausbruchs mit H1N1-Grippeviren oder am Welthygienetag.


Quelle:
PLOS ONE 2012; 7: 10 | e47200.


Hier können Sie die Originalstudie einsehen.