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Autor: Sax et al. (2010) Quelle: Journal of Hospital Infection 2010, 67 (1): 9-21.

STUDIE

Sax et al. (2010)

„Meine fünf Momente der Händehygiene“ – Entwicklung eines anwenderzentrierten Ansatzes für das Verstehen, Trainieren, Beobachten und Bewerten der Händehygiene

Hintergrund: Mitarbeiter im Gesundheitswesen führen im Durchschnitt in der Hälfte aller indizierten Situationen eine Händedesinfektion durch. Schweizer Wissenschaftler des Genfer Universitätshospitals sehen einen Hauptgrund für diese Non-Compliance in Mängeln bei der Vermittlung der Händehygiene-Indikationen und deren logischer Einbindung in die täglichen medizinischen und pflegerischen Arbeitsabläufe. Gemeinsam mit amerikanischen Kollegen entwickelten die Wissenschaftler die „5 Momente für Händehygiene“, ein anwenderorientiertes Konzept, das ein Kernelement der weltweiten Kampagne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Verbesserung der Compliance in der Händehygiene für mehr Patientensicherheit darstellt.


Methoden: Für die Entwicklung ihres anwenderzentrierten Ansatzes kombinierten die Forscher die Ergebnisse evidenz-basierter Risikoanalysen zur Entstehung nosokomialer Infektionen und der Verbreitung multiresistenter Mikroorganismen mit Forschungsergebnissen aus Arbeitswissenschaft, Ergonomie, Motivationsforschung, sozialem Marketing und Kommunikationswissenschaft. Die Risiken für eine Erregerübertragung spielen sich in diesem Modell in einem Zwei-Zonen-System ab, das aus der unmittelbaren Patientenumgebung und der Pflegeumgebung besteht, die sich außerhalb der unmittelbaren Patientenumgebung befindet. Es wurden 5 Gelegenheiten standardisiert und als „5 Momente der Händedesinfektion“ definiert, die die wesentlichen Indikationen für eine Händedesinfektion in fünf Indikationsgruppen zusammenfassen:

  1. VOR Patientenkontakt (z.B. vor dem Schütteln der Hände, der Messung von Vitalfunktionen, dem Auskultieren und Palpieren)
  2. VOR aseptischen Tätigkeiten (z.B. vor der Manipulation an einem Gefäßkatheter, subkutanen Injektionen, dem Anlegen eines Wundverbandes, der Zubereitung von Medikamenten)
  3. NACH Kontakt mit infektiösen Materialien (z.B. nach der Behandlung von Hautläsionen, dem Öffnen von Drainagesystemen, dem Verbandwechsel, dem Hantieren mit medizinischen Instrumenten)
  4. NACH Patientenkontakt (z.B. nach der Palpation des Abdomens, dem Blutdruckmessen, der Pulsabnahme)
  5. NACH Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung (z.B. nach dem Abstellen eines Alarms am EKG-Monitor, der Adjustierung der Perfusionsgeschwindigkeit)


Fazit: Das „5 Momente-Modell“ zeigt in einem Zeit-Raum-Bezugssystem diejenigen Situationen an, in denen im klinischen Alltag eine Händedesinfektion erforderlich ist und effektiv eine Erregerübertragung unterbrochen werden kann. Die Indikationen sind universell gültig und lassen sich auf unterschiedlichste medizinische und pflegerische Tätigkeiten anwenden. Das Modell schließt den Autoren zufolge die bisherige Lücke zwischen wissenschaftlicher Begründung der Händehygiene und ihrer praktischen Umsetzung im Alltag und stellt eine solide und effektive Basis dar, Händehygiene zu verstehen, richtig durchzuführen, zu lehren, zu beobachten und zu bewerten.


Quelle: Journal of Hospital Infection 2010, 67 (1): 9-21.


Die Originalarbeit können Sie hier herunterladen.