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Autor: Sax, H. / Clack, L. (2015) Quelle: Journal of Hospital Infection 2015; 89: 335-339

STUDIE

Sax, H. / Clack, L. (2015)

Mit mentalen Modellen den Infektionsschutz fördern

Hintergrund: Niedrige Compliance wird oft auf mangelnde Motivation zur Händedesinfektion zurückgeführt. Sax et al. gehen in ihrem Artikel hingegen davon aus, dass unbewusste und automatische Verhaltensweisen wie die Händehygiene durch sogenannte mentale Modelle beeinflusst werden. Der Bericht beschreibt das Konzept der mentalen Modelle und geht der Frage nach, wie diese im Rahmen der Händehygiene zu einer verbesserten Infektionsprävention beitragen können.


Definition: Mentale Modelle sind unbewusste und individuelle Vorstellungen davon, wie eine Person Dinge und Sachverhalte versteht. In vereinfachter Form bilden sie ab, wie ein Mensch die Welt versteht. Abhängig von persönlichen Erfahrungen unterscheiden sie sich von Mensch zu Mensch. So befindet sich z. B. dem mentalen Modell eines Gesundheitsmitarbeiters zufolge ein bestimmtes Gerät (z. B. PC zur Eingabe von Daten) innerhalb der direkten Patientenumgebung. Demgegenüber kann es sein, dass ein zweiter dieses Gerät weder dem Patienten noch dessen direkter Umgebung zuordnet. Solche voneinander abweichenden Vorstellungen können zu unbeabsichtigten Erregertransmissionen führen.


Problemstellung: Mentale Modelle wirken sich auf das menschliche Handeln aus und beruhen auf gesammelten Erfahrungen. Neue Erlebnisse, die Wahrnehmung von Risiken oder die Folgen von Handlungen verändern vorhandene mentale Modelle. Soll die Compliance in der Händehygiene verbessert werden, bestehen daher folgende Hindernisse:

  1. Krankheitserreger, d.h. Infektionsrisiken sind unsichtbar und entziehen sich damit der Wahrnehmung.

  2. Bei Non-Compliance treten mögliche Folgen (z. B. eine Infektion durch Erregerübertragung) zeitlich versetzt auf. Dieses ausbleibende bzw. verzögerte Feedback verhindert, dass die mangelhafte Händehygiene mit einer Patienteninfektion assoziativ in Verbindung gebracht wird.


Ergebnis und Fazit: Sax et al. beschreiben zwei Herangehensweisen, um die Compliance zu verbessern. Zum einen solle Gesundheitsmitarbeitern die Möglichkeit gegeben werden, ihre mentalen Modelle über Infektionsprävention und -kontrolle anhand neuer Erfahrungen zu verbessern. Benötigt würden zudem eindeutige Arbeitsanweisungen (z. B. 5 Momente der WHO), in welchen Situationen die Hände während der Patientenpflege desinfiziert werden müssen. Daneben könnten regelmäßige Audits mit zeitnahem Feedback dazu dienen, die Auswirkungen unzureichender Händehygiene auf die Patientensicherheit präsent im Gedächtnis zu halten.

Andererseits sei eine Arbeitsumgebung wichtig, in der Händehygiene leicht und intuitiv durchführbar sei. So habe laut Sax et al. z. B. eine Studie gezeigt, dass Zitronengeruch eine positive Wirkung auf das Händehygiene-Verhalten habe. Der Geruch aktiviere mentale Modelle zu Hygiene und Sauberkeit. Ebenfalls positiv auf die Compliance wirkten sich Schilder und visuelle Hinweise aus, die bewusst oder unbewusst an die Händedesinfektion erinnern. Als Beispiele nennen die Autoren, Desinfektionsmittel-Spender mit Blinklicht oder Türschilder, die auf die Überwachung des Patientenzimmers hinweisen.


Quelle:
Journal of Hospital Infection 2015; 89: 335-339


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