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Autor: Huis, A. / Schoonhoven, L. / Grol, R. / Donders, R. / Hulscher, M. / van Achterberg, T. (2013) Quelle: International Journal of Nursing Studies 50 (2013)0464-474.

STUDIE

Huis, A. / Schoonhoven, L. / Grol, R. / Donders, R. / Hulscher, M. / van Achterberg, T. (2013)

Sozialer Einfluss und Händehygiene: Wie Gruppenprozesse die Compliance von Pflegepersonal beeinflussen

Hintergrund: Es gibt zahlreiche Ansätze, die Compliance in der Händehygiene zu verbessern. Oft konzentrieren sich Interventionen dabei auf die einzelne Pflegekraft oder die Einführung neuer Produkte. Der soziale Kontext, in dem Stationsteams arbeiten, wurde bisher allerdings nur selten beachtet. Huis et al. gingen daher der Frage nach, wie der soziale Einfluss, den die einzelnen Gruppenmitglieder aufeinander ausüben, und ein verbessertes Führungsverhalten seitens der Stationsleitungen die Compliance in der Händehygiene verbessern können.


Methode: Die cluster-randomisierte Studie begann im September 2008 und endete im November 2009. In diesem Zeitraum wurde die Compliance-Rate des Pflegepersonals dreimal durch direkte Beobachtungen erhoben:

  • vor Einführung der Maßnahmen (Baseline, T1)
  • direkt im Anschluss an die sechsmonatige, vollständige Einführung der Intervention (T2)
  • sechs Monate nach Einführung der Intervention (T3)

An der Studie nahmen 67 Pflegestationen dreier verschiedener Krankenhäuser teil. Huis et al. ordneten diese nach dem Zufallsprinzip in zwei Studiengruppen ein und wiesen sie damit gleichzeitig jeweils einer von zwei Strategien zur Compliance-Verbesserung zu.

In der Kontrollgruppe wurde auf Grundlage aktueller Erkenntnisse zur Händehygiene die „State-of-the-Art-Strategie“ eingeführt. Das Wissen der Pflegenden über die Händehygiene wurde dabei u. a. durch Schulungsmaterial erweitert, Poster erinnerten an die Händedesinfektion und qualifiziertes Feedback verstärkte das richtige Händehygiene-Verhalten. Ferner wurden alle Stationen in Ausstattung und Produktauswahl überprüft, um die Grundlagen für eine indikationsgerechte Händehygiene zu gewährleisten. Insgesamt 37 Stationen waren der Kontrollgruppe zugeordnet.

Die zweite Strategie für die Versuchsgruppe umfasste alle Maßnahmen der ersten, setzte aber auf der Ebene der Stationsteams an. Dazu erweiterten die Wissenschaftler das Maßnahmenpaket um zusätzliche Elemente. So sollten durch gezielte Eingriffe in die Gruppenprozesse sowie ein verbessertes Führungsverhalten Compliance-Barrieren ausgeräumt werden. Das beinhaltete drei umfangreiche Besprechungen, in denen die Gruppen u. a. die Compliance-Raten diskutierten und zusammen klare Verhaltensregeln aufstellten. Zudem dienten angesehene Teammitglieder als Vorbilder in punkto Händehygiene. Um ihren Mitarbeitern aktiv den Rücken zu stärken, erhielten die Stationsleitungen verschiedene Hilfestellungen. Die Versuchsgruppe mit „Teamstrategie“ umfasste 30 Stationen.


Ergebnisse:
Die Compliance der „State-of-the-Art“-Stationen stieg von 23 % (Baseline; T1) auf 42 % nach der vollständigen Einführung aller Maßnahmen (T2) und lag langfristig bei 46 % (T3). Im Vergleich dazu erzielten die „Teamstrategie“-Stationen eine signifikant größere Verbesserung der Compliance. Hier erhöhte sich die Compliance-Rate von anfänglich 20 % (T1) auf sowohl kurz- als auch langfristig 53 % (T2 und T3).


Fazit: Zusammenfassend betonen die Autoren die positive Wirkung, die eine gute Zusammenarbeit im Team verbunden mit einem verbesserten Führungsverhalten auf die Compliance haben kann. Auch der soziale Einfluss innerhalb von Gruppen und das Einbinden von Vorbildern haben sich als sehr wirksame Ansätze erwiesen, so Huis et al. weiter. Die Forscher schlagen vor, andere Herausforderungen im Bereich der Patientensicherheit zukünftig ebenfalls auf der Ebene der Stationsteams in ähnlicher Weise anzugehen.


Quelle: International Journal of Nursing Studies 50 (2013)0464-474.


Hier können Sie die Originalstudie gegen Gebühr herunterladen.