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Autor: Haessler et al. Quelle: BMJ Qual Saf 2012;21:499-502

STUDIE

Haessler et al.

Vorbildfunktion erhöht die Händehygiene-Compliance von Ärzten

Hintergrund: Händehygiene spielt eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung nosokomialer Infektionen. Untersuchungen zeigen, dass das Pflegepersonal über eine bessere Händehygiene verfügt als Ärzte. Möglicherweise beeinflussen die hohe Arbeitsbelastung, persönliche Ansichten, Fortbildungen sowie der Zugriff auf Händehygiene-Produkte das Verhalten der Ärzte. Die vorliegende Studie vertritt die Hypothese, dass Händehygiene sowohl vom Gruppenzwang, als auch vom Verhalten des behandelnden Arztes abhängig ist.

Methoden: Die vorliegende Studie wurde an einem großen, städtischen Universitätsklinikum mit 659 Betten und 320 Auszubildenden pro Jahr durchgeführt. Ein Wissenschaftler beobachtete verdeckt neun Teams aus der Inneren Medizin. Die Teams setzten sich jeweils aus einem behandelnden Arzt, einem Assistenzarzt im dritten Ausbildungsjahr, zwei Assistenzärzten im zweiten Ausbildungsjahr sowie einem Medizin- und Pharmaziestudent zusammen. Die Reihenfolge der Teammitglieder beim Betreten und Verlassen eines Patientenzimmers sowie die Beachtung der Händehygiene-Vorschriften wurden innerhalb von drei Monaten im Herbst 2010 untersucht. Das Händehygiene-Verhalten wurde unter dem Einfluss des Verhaltens der ersten Person, die einen Raum betritt, bzw. verlässt, sowie dem Verhalten des behandelnden Arztes ermittelt.

Ergebnisse: Während 123 Patientenkontakten wurden 718 mögliche Situationen der Händehygiene vor Betreten der unmittelbaren Patientenumgebung untersucht. Die durchschnittliche Händehygiene Compliance betrug 52 % und lag, abhängig vom Ausbildungsstand, zwischen 47 % und 67 %.
744 Situationen wurden während 133 Patientenkontakten beim Verlassen der unmittelbaren Patientenumgebung beobachtet. Die durchschnittliche Compliance betrug 70 %. Abhängig vom Ausbildungsstand lag sie zwischen 64 % und 87 %.
Insgesamt zeigten die Medizin- und Pharmaziestudenten die höchste Compliance, unabhängig vom Betreten oder Verlassen des Zimmers (60,2 %, bzw. 67,2 % beim Betreten und 71,2 %, bzw. 87,0 %, beim Verlassen der unmittelbaren Patientenumgebung).

Befolgte das erste Teammitglied, das die unmittelbare Patientenumgebung betrat, die Händehygiene-Vorschriften, folgten 64 % der Teammitglieder dem Verhalten. Die Compliance sank auf 45 %, wenn die erste Person sich nicht an die Vorschriften hielt (p=0,002). Beim Verlassen der unmittelbaren Patientenumgebung schien das Verhalten der ersten Person das der anderen Teammitglieder nicht zu beeinflussen (p=0.33). Hielt der behandelnde Arzt sich an die Vorschriften, folgten 66 % der Teammitglieder seinem Verhalten. Die Compliance sank auf 42 %, wenn der behandelnde Arzt die Händehygiene vergaß (p<0,001). Beim Verlassen der unmittelbaren Patientenumgebung wurde ein ähnliches Verhalten beobachtet (p=0,013).


Fazit: Beim Betreten der unmittelbaren Patientenumgebung wurde ein starker Nachahmungseffekt bzgl. der Händehygiene beobachtet. Das Verhalten der ersten Person, die die unmittelbare Patientenumgebung betritt, hat unabhängig vom Ausbildungsstand einen hohen Einfluss auf das Verhalten der anderen Personen. Das Verhalten des behandelnden Arztes beeinflusst sowohl beim Betreten als auch beim Verlassen der unmittelbaren Patientenumgebung die anderen Teammitglieder, unabhängig davon, ob der behandelnde Arzt den Raum als erster betreten hat. Der Arzt sollte diese Vorbildfunktion ernst nehmen. Insgesamt war die Compliance beim Verlassen der unmittelbaren Patientenumgebung größer. Das deutet darauf hin, dass die eigene Sicherheit im Vordergrund steht.


Quelle:
BMJ Qual Saf 2012;21:499-502

Die komplette Studie können Sie gegen Gebühr hier herunterladen.