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Autor: Parohl N et al. (2017) Quelle: Parohl N et al. Monitoring of endoscope reprocessing with an adenosine triphosphate (ATP) bioluminescence method. GMS Hygiene and Infection Control 2017, Vol. 12, ISSN 2196-5226.

STUDIE

Parohl N et al. (2017)

Was kann ein ATP-Schnelltest für die routinemäßige Überprüfung der Aufbereitungsqualität von Endoskopen leisten?

Hintergrund: Grundlage einer sachgerechten Aufbereitung flexibler Endoskope sind in Deutschland die im Jahr 2002 erschienenen und 2012 aktualisierten „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“ (ehem. „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung flexibler Endoskope und endoskopischen Zusatzinstrumentariums“) der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) und des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) (1, 2).

Obwohl die Guidelines zu Verbesserungen der Aufbereitungsqualität führten, ist in den vergangenen Jahren immer wieder über Bakterientransmission durch kontaminierte Endoskope berichtet worden (3).

Um die Prozesssicherheit der Endoskopaufbereitung in der täglichen Routine zu verbessern, gingen Parohl et al. in ihrer aktuellen Studie der Frage nach, ob eine Überwachung der Aufbereitungsqualität in der täglichen Routine mit einem Adenosintriphosphat (ATP)-basierten Biolumineszenz-System hierzu einen Beitrag leisten kann (4).


Methode:
Für ihre Studie nahmen Parohl et al. 60 Proben von acht unterschiedlichen Gastroskopen, die routinemäßig an einem großen Universitätsklinikum in Deutschland eingesetzt wurden.

Die Aufbereitung der Endoskope erfolgte auf Grundlage der KRINKO-Empfehlung für flexible, thermolabile Endoskope (1) und bestand aus den Schritten: Reinigung an der Lichtquelle, manuelle Vorreinigung, Reinigung und Desinfektion im RDG-E. Die manuelle Vorreinigung wurde mit herkömmlichen Mehrwegbürsten und einem pH-neutralen Reiniger (Bodedex® forte (Link setzen)) durchgeführt. Die Kanäle wurden jeweils zweimal gebürstet bzw. solange, bis die Bürsten frei von Verschmutzungen waren. Alle Endoskope wurden von der gleichen Person aufbereitet.

Die Endoskope wurden anhand einer Messung von Adenosintriphosphat (ATP) und mikrobiologischer Kontrollen der Spülproben beurteilt. ATP ist in allen biologischen Rückständen enthalten. Der ATP-Nachweis erfolgt mit einer spezifischen chemischen Reaktion bei der Licht entsteht, die sogenannte Biolumineszenz. Die Menge des Lichts wird mit einem Luminometer gemessen. Je mehr relative Lichteinheiten (RLU) gemessen werden, desto höher ist die Anzahl biologischer Rückstände. Die Probeentnahmen erfolgten jeweils nach der Reinigung an der Lichtquelle, der manuellen Vorreinigung und der Reinigung und Desinfektion im RDG-E.


Ergebnisse:
Nach der Reinigung an der Lichtquelle lag der mittlere ATP-Wert bei 19.437 relativen Lichteinheiten (RLU), nach der Bürstenreinigung bei 667 RLU und nach der Aufbereitung im RDG-E bei 227 RLU. Nach koloniebildenden Einheiten (KbE) gemessen, betrug die mittlere Anzahl nach der Bürstenreinigung pro Endoskop 15,3 KbE / 10 ml und nach der Aufbereitung im RDG-E 5,7 KbE / 10 ml. Als zugelassenen Grenzwert bei der ATP-Methode geben die Autoren 200 RLU an. Bei mikrobiologischen Bestimmungen liegt der Grenzwert in Deutschland bei 10 KbE/10 ml. Die Autoren folgern daraus, dass die manuelle Bürstenreinigung sowohl sehr effizient als auch notwendig ist.
Für ihre abschließende Bewertung der ATP-basierten Biolumineszenzmethode teilten die Autoren die Endoskope in zwei Gruppen und orientierten sich dabei an den ATP- und KbE-Nachweisen nach erfolgter maschineller Aufbereitung. 26 Endoskope hatten einen RLU < 200, von denen nur zwei Endoskope einen Befund von mehr als 10 KbE/10 ml hatten. Bei 31 Endoskopen wurden ATP-Werte > 200 RLU gemessen, aber nur sieben Endoskope hatten mehr als 10 KbE/10 ml.


Fazit:
Da nicht alle Aufbereitungszyklen zu einer vollständigen Reinigung der Endoskope führen, halten die Autoren eine engmaschigere Routinekontrolle der Aufbereitung für sinnvoll, um das Risiko, das von kontaminierten Endoskopen ausgeht, zu senken. Die ATP-Messung (Biolumineszenzmethode) wird in der Studie als eine geeignete Methode angesehen, um die Aufbereitungsqualität bei Endoskopen zu überwachen. Gegenüber den herkömmlichen mikrobiologischen Kontrollen bietet der ATP-Nachweis den Autoren zufolge den Vorteil der einfachen Handhabung und des schnellen Ergebnisses. Die ATP-Bestimmung soll dabei nicht die regelmäßigen mikrobiologischen Untersuchungen ersetzen. Vielmehr liegt ihr Einsatz in der täglichen Routine, wenn Messergebnisse über den zugelassenen Grenzwerten liegen. In diesen Fällen kann der jeweilige Schritt im Aufbereitungsprozess wiederholt werden, bevor das Endoskop am nächsten Patienten zum Einsatz kommt. Die Autoren erhoffen sich von dem Zusammenspiel unterschiedlicher Überwachungsmethoden, dass sich insgesamt die Prozesssicherheit der Endoskop-Aufbereitung verbessert.


Quelle:
Parohl N et al. Monitoring of endoscope reprocessing with an adenosine triphosphate (ATP) bioluminescence method. GMS Hygiene and Infection Control 2017, Vol. 12, ISSN 2196-5226. Link zur Studie (https://www.egms.de/static/de/journals/dgkh/2017-12/dgkh000289.shtml)


Weitere Quellen:
(1) KRINKO (2002) Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung flexibler Endoskope und endoskopischen Zusatzinstrumentariums
. Bundesgesundheitsbl 45:395–411

(2) KRINKO (2012) Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten. Bundesgesundheitsbl 55:1244–1310

(3) Kovaleva J et al. (2013) Transmission of Infection by Flexible Gastrointestinal Endoscopy and Bronchoscopy. Clinical Microbiol Rev26 (2):231-54

(4) Parohl N et al. (2017) Monitoring of endoscope reprocessing with an adenosine triphosphate (ATP) bioluminescence method. GMS Hygiene and Infection Control  Vol. 12, ISSN 2196-5226