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Autor: Smiddy M.P. / O’Connell R. / Creedon S.A. (2015) Quelle: Smiddy, P. et al. Systemic qualitative literature review of health care workers‘ compliance with hand hygiene guidelines, American Journal of Infection Control, April 2015, Vol. 43

STUDIE

Smiddy M.P. / O’Connell R. / Creedon S.A. (2015)

Welche Faktoren beeinflussen die Compliance? Ein qualitatives Review

Hintergrund: Die Compliance in der Händehygiene von Mitarbeitern des Gesundheitssystems wird üblicherweise durch quantitative Methoden, wie Selbsteinschätzung und Beobachtungen z. B. im Rahmen von Interventionsmaßnahmen bestimmt. Einschränkungen dieser Methoden bestehen im sogenannten Hawthorne-Effekt bei der Beobachtung und der Erinnerungsverzerrung (recall bias) bei der Selbsteinschätzung. Qualitative Methoden hingegen, wie Interviews oder Gruppendiskussionen, können konkrete Hinweise zu den Hindernissen und Barrieren bei der Compliance liefern. Das Ziel der vorliegenden Studie war es daher, ein besseres Verständnis für die vorherrschenden Probleme aus einer qualitativen Perspektive zu beleuchten.


Methode:
Smiddy et al. führten ein qualitatives Literatur-Review durch. Dazu zogen sie 10 Studien heran, die primäre qualitative Daten von Mitarbeitern des Gesundheitssystems einkommensstarker Länder lieferten. Summiert ergab sich daraus eine Stichprobengröße von 415 Mitarbeitern, von denen Informationen in Interviews oder Diskussionsgruppen gesammelt wurden. Die Daten wurden händisch analysiert, kodiert und verglichen.


Ergebnisse: Die Auswertung der 10 ausgewählten Studien zeigte, dass die Faktoren, die die Compliance in der Händehygiene beeinflussen in zwei Kategorien fallen: Motivierende Faktoren sowie Wahrnehmung der Arbeitsumgebung.

Motivierende Faktoren, die die Compliance beeinflussten, umfassten soziale Einflüsse, medizinische Dringlichkeit, Selbstschutz und die Verwendung von Hinweisen.

  • Soziale Einflüsse: Das Händehygieneverhalten von Kollegen und Vorgesetzten kann sich sowohl positiv als auch negativ auf die eigene Compliance auswirken. Hierbei orientieren sich Mitarbeiter am Verhalten von höhergestellten Kollegen oder Vorgesetzten.
  • Medizinische Dringlichkeit: Pflegerische Tätigkeiten können unterschiedlich dringend sein. In einer kritischen Situation oder einem Notfall würden Mitarbeiter daher eher auf eine Händedesinfektion verzichten, als eine Hilfeleistung hinauszuzögern.
  • Selbstschutz: Ein konstanter Motivator für die Händehygiene ist das Bedürfnis, sich selbst und seine nahen Angehörigen zu schützen. Besonders hoch ist das Bedürfnis, sich die Hände zu desinfizieren, nach direktem Kontakt mit Körperflüssigkeiten und bei der Behandlung von Patienten mit HIV oder Durchfall.
  • Verwendung von Hinweisen: Visuelle Hinweise sind Auslöser für Erinnerungen, Aufmerksamkeit und Entscheidungsprozesse. Gut sichtbare Ressourcen, wie Desinfektionsmittel-Spender, fördern daher die Compliance.

Auch, wie Mitarbeiter ihre Arbeitsumgebung wahrnahmen, beeinflusste ihre Compliance in der Händehygiene. Hier umfassten die Aspekte Ressourcen, Wissen, Information und Organisationskultur.

  • Ressourcen: Eine hohe Arbeitsbelastung und Personal-Engpässe wirken sich negativ auf die Compliance aus. Zusätzlich beeinflusst die Verfügbarkeit von Händedesinfektionsmitteln das Händehygiene-Verhalten der Mitarbeiter: Während ein Mangel an Händedesinfektionsmittel die Compliance verringert, fördert eine hohe Verfügbarkeit deren Benutzung und damit die Händehygiene.
  • Wissen: Das Wissen der Mitarbeiter über die Notwendigkeit von Händehygiene und deren korrekter Durchführung ist eng verknüpft mit Schulungen und konsequenter Anwendung. Schulungen stellen daher ein wesentliches Element vieler Händehygiene-Programme dar.
  • Information: Audits und aktuelle Informationen über die bestehende Compliance empfanden viele Mitarbeiter als hilfreich und sind daher anerkannte Elemente von Qualitätsverbesserungsmaßnahmen.
  • Organisationskultur: Unabhängig von der Disziplin, beeinflusst auch die Organisationskultur die Compliance. Wieviel Wert innerhalb der Einrichtung auf die Händehygiene gelegt wird, nannten die Teilnehmer ebenso als Kriterium, wie Offenheit und Angst vor Sanktionen.


Fazit:
Niedrige Compliance in der Händehygiene bleibt eine kollektive Herausforderung für medizinische Einrichtungen. Smiddy et al. empfehlen daher, weiter die zugrundeliegenden Faktoren zu erforschen, die die Compliance beeinflussen. Hierbei sollten auch theoretische Modelle entwickelt werden, um die Komplexität der Händehygiene besser erklären zu können.


Quelle:
Smiddy, P. et al. Systemic qualitative literature review of health care workers‘ compliance with hand hygiene guidelines, American Journal of Infection Control, April 2015, Vol. 43


Die Originalarbeit können Sie hier gebührenpflichtig herunterladen.