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Autor: Luangasanatip, N. / Hongsuwan, M. / Limmathurotsakul, D. / Lubell, Y. / Lee, A. S. / Harbarth, S. / Day, N. P. J. / Graves, N. / Cooper, B. S. (2015) Quelle: Luangasanatip, N. et al. BMJ. 2015; 351:h3728. Doi: 10.1136/bmj.h3728

STUDIE

Luangasanatip, N. / Hongsuwan, M. / Limmathurotsakul, D. / Lubell, Y. / Lee, A. S. / Harbarth, S. / Day, N. P. J. / Graves, N. / Cooper, B. S. (2015)

Wie erfolgreich sind Programme zur Compliance-Steigerung? Eine Übersichtsarbeit

Hintergrund: Die Händedesinfektion ist die wichtigste Einzelmaßnahme, um nosokomiale Infektionen zu vermeiden. Dennoch liegt die Compliance weltweit bei nur 38,7 Prozent. Im Jahr 2005 rief die WHO daher die Kampagne „Clean Care is Safer Care“ ins Leben. Neben den fünf Bausteinen der multimodalen Kampagne (Systemwechsel, Schulungen und Training, Beobachtung und Feedback, Erinnerungen und ein auf die Patientensicherheit ausgerichtetes Krankenhausklima) gibt es mittlerweile weitere Ansätze, um das Händehygieneverhalten von Gesundheitsmitarbeitern zu verbessern (z. B. Zielvereinbarungen treffen, Belohnungen, Verantwortlichkeit stärken). In ihrer Übersichtsarbeitbewerten Luangasanatip et al., wie erfolgreich die WHO-Kampagne (WHO-5) und weitere Interventionen zur Compliance-Steigerung sind, welche Wirkung Interventionen auf die Rate nosokomialer Infektionen haben und welcher Kostenaufwand mit solchen Programmen verbunden ist.


Methode: Für die Übersichtsarbeit führten die Forscher eine systematische Literaturrecherche durch. Luangasanatip et al. sichteten dazu Studien aus den Jahren zwischen 1980 und 2014. Anhand von vorher definierten Qualitätskriterien trafen die Forscher eine Auswahl, welche Studien einer weitergehenden Analyse unterzogen werden sollten. Diese erfolgte, wenn eine Studie in Englisch vorlag, im Peer-Review-Verfahren begutachtet worden war und die folgenden Einschlusskriterien erfüllte:

  • Compliance: Während der Studie wurden Interventionen zur Verbesserung der Händehygiene-Compliance von Gesundheitsmitarbeitern in Krankenhäusern eingeführt.
  • Art der Messung: Die Studie maß entweder direkt die Compliance oder erfasste diese mittels Vergleichsindikatoren (z. B. Verbrauchsmessung).
  • Studiendesign: Es handelte sich entweder um eine randomisierte kontrollierte Studie, eine nicht-randomisierte kontrollierte Studie, eine kontrollierte Vorher-Nachher-Studie oder eine Studie mit interrupted Times Series Design. Bei letzteren werden vor und nach der Intervention wiederholt mehre Compliance-Messungen in vorher definierten Abständen durchgeführt.

Die Forscher entnahmen den ausgewerteten Studien u.a. Daten über das jeweilige Ausmaß der Compliance-Erhöhung und welche Maßnahmen durchgeführt wurden (z. B. Schulungen oder Feedback in den Studien- und Kontrollgruppen). Darüber hinaus sammelten Luangasanatip et al. die Daten zur Rate nosokomialer Infektionen und Antibiotikaresistenzen sowie Informationen über die entstandenen Kosten.


Ergebnisse:
Von den 3639 gesichteten Studien erfüllten 41 die Studienanforderungen. In 34 dieser Studien wurde das Händehygiene-Verhalten aller Gesundheitsmitarbeiter mit Patientenkontakt erfasst. Die verbleibenden 7 maßen ausschließlich die Compliance von Pflegekräften bzw. -helfern und -schülern.

In 14 der geprüften Studien stieg die durchschnittliche Compliance um bis zu 83,3 Prozent. Insgesamt zeigte sich, dass die fünf WHO-Maßnahmen die Compliance von Gesundheitsmitarbeitern erhöhen. Wurden zudem Compliance-Ziele gesetzt, Belohnungen verteilt und die Verantwortlichkeit für den Patienten und dessen Gesundheit betont, konnte das Händehygiene-Verhalten der Mitarbeiter noch weiter verbessert werden.

Insgesamt zeigte sich in 19 Studien, dass eine gesteigerte Compliance die Rate der nosokomialen Infektionen bzw. von Antibiotikaresistenzen reduziert. Die während unterschiedlicher Interventionen entstandenen Kosten betrugen zwischen $ 225 und $ 4.669 pro 1000-Patiententage.


Fazit: Die fünf Bausteine der WHO-Kampagne „Clean Care is Safer Care“ können eine erhebliche und nachhaltige Steigerung der Compliance von Gesundheitsmitarbeitern bewirken, so die Autoren. Werden die WHO-5 durch weitere Maßnahmen ergänzt, kann die Compliance sogar weiter erhöht werden. Zu solchen Ergänzungen zählt u. a., Ziele zu setzen, durch Belohnungen Anreize für ein gutes Händehygiene-Verhalten zu schaffen und die Verantwortlichkeit für den Patienten zu betonen. Abschließend, so Luangasanatip et al., sollten künftige Studien verstärkt Informationen zum Kostenaufwand und Ressourceneinsatz während der Interventionen sammeln. Auch gelte es, vermehrt die Langzeitwirkung (Nachhaltigkeit) der Compliance-Interventionen zu erfassen.


Quelle:
Luangasanatip, N. et al. BMJ. 2015; 351:h3728. Doi: 10.1136/bmj.h3728


Die Originalarbeit können Sie hier herunterladen.

Weitere Informationen zu Händehygiene-Programmen finden Sie im Bereich CENTER.