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Autor: Hagel, S./ Reischke, J. / Kesselmeier, M. / Winning, J. / Gastmeier, P. / Brunkhorst, F. M. / Scherag, A. / Pletz, M. W. (2015) Quelle: Infection Control & Hospital Epidemiology 2015; 36 (8): 957-962

STUDIE

Hagel, S./ Reischke, J. / Kesselmeier, M. / Winning, J. / Gastmeier, P. / Brunkhorst, F. M. / Scherag, A. / Pletz, M. W. (2015)

Wirkung des Hawthorne-Effekts auf die Händehygiene-Compliance gemessen durch den Vergleich von direkter Beobachtung mit der Benutzungshäufigkeit von Händedesinfektionsmittel-Spendern.

Hintergrund: Die Bestimmung der Händehygiene-Compliance durch direkte Beobachtungen gilt als Goldstandard. Das Wissen, beobachtet zu werden, kann jedoch zu Verhaltensänderungen führen (Hawthorne-Effekt). Es wird angenommen, dass der Hawthorne-Effekt zu einer Erhöhung der Compliance führt. Die Studie von Hagel et al. untersuchte anhand von direkten Beobachtungen sowie Echtzeitdaten zur Benutzungshäufigkeit von Desinfektionsmittel-Spendern, wie groß der Einfluss des Hawthorne-Effekts auf die Händehygiene-Compliance ist.


Methode: Die prospektive Beobachtungsstudie wurde auf einer Intensivstation eines 1500-Betten-Universitäts-Krankenhauses über die Dauer von fünf Monaten durchgeführt. Die Compliance in der Händehygiene wurde mit zwei Methoden bestimmt: Zum einen registrierte ein System aus 70 elektronischen Dosierspendern mit Zählwerk, wann und wie häufig jeder einzelne Spender betätigt wurde. Ferner zählte eine geschulte Studienmitarbeiterin während 50 Beobachtungintervallen zu je zwei Stunden die durchgeführten Händedesinfektionen. Sie erfasste auch alle Situationen, in denen gemäß den 5 Momenten eine Händedesinfektion angezeigt gewesen wäre, jedoch nicht durchgeführt wurde.

Zu Beginn jedes Beobachtungsintervalls stellte sich die Studienmitarbeiterin dem im jeweiligen Zimmer anwesenden Gesundheitspersonal vor. Sie erläuterte den Zweck der Untersuchung, ohne jedoch das Ziel der Studie, die Beurteilung des Hawthorne-Effekts, mitzuteilen. Um diesen zu berechnen, wurde die elektronisch ermittelte Häufigkeit der Spenderbenutzung während der Beobachtungen mit ihrer Benutzungshäufigkeit außerhalb der Beobachtungsintervalle verglichen.


Ergebnisse: Insgesamt wurden 3978 Situationen beobachtet, in denen eine Händedesinfektion gemäß des 5 Momente-Modells erforderlich war. In 2034 der Fälle wurde tatsächlich eine Händedesinfektionen durchgeführt. Die Compliance lag damit bei 51 %. Nur 99 von 2113 Händedesinfektionen (5 %) entsprachen nicht den 5 Momenten. Während der Beobachtungsintervalle desinfizierte sich das Gesundheitspersonal 21-mal pro Stunde die Hände. Wurden die Mitarbeiter nicht beobachtet, lag die Zahl der durch die Spender registrierten Händedesinfektionen bei acht pro Stunde.


Fazit: Hagel et al. stellen fest, dass der Hawthorne-Effekt einen deutlichen Einfluss auf das Händehygieneverhalten der Mitarbeiter hat. Sie geben an, dass die Händehygiene-Compliance auch ohne die direkte Beobachtung zuverlässig über das Monitoring der Benutzungshäufigkeit der Desinfektionsmittel-Spender messbar sei. Zwar werde oft hervorgehoben, dass elektronische Zähler nicht feststellen könnten, ob eine Händedesinfektion indikationsgerecht durchgeführt wurde. Da jedoch lediglich 5 % der von ihnen beobachteten Händedesinfektionen nicht den 5 Momenten entsprachen, sei dieser Vorbehalt offenbar zu vernachlässigen. Für zukünftige Compliance-Audits empfehlen Hagel et al., direkte Beobachtungen mit dem automatisierten Monitoring der Spenderbetätigung zu kombinieren. Dabei sollten direkte Beobachtungen vor allem für ein individuelles Feedback z. B. zur Einreibemethode genutzt werden.


Quelle:
Infection Control & Hospital Epidemiology 2015; 36 (8): 957-962


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